| diepresse.com | ||
| zurück | drucken | ||
|
| ||
| 18.03.2006 - Kultur&Medien / Kultur News | ||
| Husslein: "Ein Musée d'Orsay für Wien!" | ||
| VON BARBARA PETSCH | ||
| Agnes Husslein, bald Chefin im Belvedere, im Interview über Projekte und Ärgernisse. | ||
|
"Was für eine Aufregung!", staunt Agnes Husslein beim Gespräch Freitag
in ihrer Ringstraßen- Wohnung. Und man weiß nicht, meint sie es ernst oder
scherzhaft? Denn im Grunde war es klar. Wie Die Presse bereits in ihrer
Mittwoch-Ausgabe exklusiv meldete: Husslein übernimmt ab
1. 1. 2007 als Nachfolgerin Gerbert Frodls - der in Pension geht
- die Direktion der Österreichischen Galerie. "Das ist für mich die
Krönung!", sagt Husslein. "Meine Chancen standen anfangs nicht gut. Als
Kind war ich mit meinem Vater oft in der Österreichischen Galerie. Ich
habe dieses Museum immer geliebt. Ich wurde ja auch für das Museum
moderner Kunst ins Gespräch gebracht. Aber ich habe gesagt: Wenn ich eine
Option habe, wünsche ich mir das Belvedere." Misstöne mischten sich in das Auswahl-Verfahren, ihre
guten Verbindungen zu FP und VP wurden Husslein vorgeworfen. Hat sie je
daran gedacht aufzugeben? "Nein. Ich verstehe diese Verdächtigungen nicht.
Ich habe keine Ausstellung für Jörg Haider gemacht, sondern für das Land
Kärnten. Herrn Schröder (Albertina) wirft man auch nicht vor, dass er für
Ministerin Gehrer Ausstellungen macht. Oder Herrn Kos (Wien-Museum), dass
er für Häupl arbeitet!" Was hat Husslein vor? "Das Wichtigste ist, dass die
Österreichische Galerie wieder ein Museum für die Österreicher wird, die
mit ihren Kindern oder auch ohne, regelmäßig hingehen, weil jeder weiß:
Hier sind die wunderbarsten Bilder vom Mittelalter bis zur Gegenwart
ausgestellt. Ich möchte mit den herrlichen Assets der Sammlung Menschen
anlocken. Das Haus muss ein Must werden, für alle, nicht nur für
Touristen, von denen leider viele nur den Park anschauen. Das muss sich
ändern. Ich hoffe auf einen Besucherzuwachs von 20 Prozent. Was mir noch
wichtig ist: Ich möchte der österreichischen Kunst den internationalen
Stellenwert verschaffen, der ihr gebührt." Ausstellungen? "Mich interessieren große
Überblicks-Ausstellungen, also etwa die Zeit der Aufklärung, Surrealismus
in Österreich, die Zwischenkriegszeit. Ich plane aber auch kleine
Kabinettausstellungen, etwa über Pettenkofen. Ich wünsche mir eine
Durchmischung der Häuser, dass man auch mittelalterliche Kunst im oberen
und Zeitgenössisches im unteren Belvedere sehen kann, natürlich in einem
Kontext und in Abstimmung mit den Kuratoren. Ich möchte zeigen, dass das
20. Jahrhundert nicht nur aus Klimt und Schiele besteht, sondern dass
es hier großartige Künstler gibt, die völlig zu Unrecht als zweite
Garnitur gelten. Ich möchte Barock und Mittelalter aufwerten. Wir leben in
einer barocken Zeit. Eine fantastische Aufgabe wird das Zwanz'ger Haus,
das umgebaut wird. Das ist fix. Die periphere Lage wird sich durch den
Zentralbahnhof ändern. Man müsste zwischen dem Zwanz'ger Haus, das auch
ein Haus des 21. Jahrhunderts werden soll, und dem Belvedere eine
Brücke schaffen, baulich oder - falls das nicht finanzierbar ist - als
künstlerische Intervention." Insgesamt wünscht sich Husslein, dass die Österreichische
Galerie "dieselbe Wertigkeit bekommt wie die Tate Britain oder das Musée
d'Orsay". Internationale Kooperationen, namhafte Sammler, Sponsoring
sollen dabei helfen. Ihre in Salzburg abgesagte Ausstellung "Affaires
Modernes" (Cézanne, Picasso) würde sie gern nach Wien holen, und die
Salzburger Leihgaben Herbert Batliners? "Man wird sehen." Husslein wird
ein heftiges Temperament nachgesagt? "Sind Männer nicht temperamentvoll?
Ich bin sehr direkt und emotional. Ich sage, was mir nicht passt. Aber ich
bin nicht nachtragend." Müssen sich die 100 Belvedere-Mitarbeiter vor der
neuen Chefin fürchten? "Nein. Natürlich verlange ich Mitarbeitern einiges
ab. Aber ich bin auch sehr offen." |
||
| © diepresse.com | Wien | ||