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Kunstberichte

Ein Abgesang in tiefer Traurigkeit

Die letzte Ausstellung der Bawag Foundation zeigt Beispiele für den Romantischen Konzeptualismus
Illustration
- Bleibt am Ende wirklich nicht mehr als ein Haufen Mist? – „Ohne Titel“ (2007) von Kirsten Pieroth ist in der letzten Ausstellung der Bawag Foundation zu sehen.  Foto: Pieroth/Klosterfelde

Bleibt am Ende wirklich nicht mehr als ein Haufen Mist? – „Ohne Titel“ (2007) von Kirsten Pieroth ist in der letzten Ausstellung der Bawag Foundation zu sehen. Foto: Pieroth/Klosterfelde

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Der Künstler Jan Bas Ader hat mit Film, Foto und Postkarte demonstriert, was ein romantischer Aspekt im künstlerischen Konzept sein kann: unsagbare Trauer. "I’m too sad to tell you" zeigt den weinenden Künstler, der 1975 mit einem Boot verschwunden ist. Daneben zeigt Yoko Ono in einem Film und drei Fotos einer Performance aus den Sechzigerjahren, dass das Anzünden eines Streichholzes Musik des Augenblicks und damit Kunst ist. Als unsterblicher Romantiker darf Caspar David Friedrich bei Ader, aber auch bei Frances Stark bildlich auferstehen, allerdings ist der Sonnenuntergang nicht mehr gemalt und Gesichter sind hinter Stiefmütterchen versteckt. Nacht, Wald und die Liebe bleiben die großen Themen, wenn die klassischen Konzeptualisten sich das auch verbeten hatten und nur mit Schrift, Ziffer und Farbkarte agierten.

Die von Jörg Heiser kuratierte Schau "Romantischer Konzeptualismus" ist der Abgesang der Bawag Foundation, die von Kasimir Malewitsch über Daniel Spoerri bis zu Sam Taylor Wood internationale Kunst nach Wien brachte. Da kommt Aders Weinen ebenso passend als Kommentar wie die Arbeit von Tacita Dean, die Katastrophen der dänischen Filmproduktion für den russischen Markt Anfang des 20. Jahrhunderts sammelte.

So ein "Russian Ending" nimmt nun auch die renommierte Kunsthalle der Bawag, die amerikanische Neigung zum "Happy End" scheint sich wie Jan Timme in der Wüste zu verlieren: In "Sweeping the Desert" sieht man einen Mann, der für Filmaufnahmen von "Lawrence of Arabia" 1962 im Sand kehrt. Die einsame Figur war bereits das Cover der Zeitschrift "Texte zur Kunst", dort hat es Timme noch einmal abfotografiert.

Das Meer, die Welle, die Klippen sind ein Topos, dem sich Susan Hiller mit ihrer Sammlung von Postkarten 1972 bis 1976 verschrieben hat – sie widmet das Werk mit Pathos und Ironie dem unbekannten Künstler. Etwas Ähnliches macht Mathilde ter Heijne für die unbekannten Frauengestalten der Geschichte, die sie mit Kurzbiografien anderer verknüpft, so dass wir am Ende meinen, es sei ein und dieselbe Person.

Weitere Beiträge zur Schau stammen von Andy Warhol (der küssende Paare filmisch sammelte) und anderen Größen wie Lygia Clark, Lawrence Weiner, Louise Lawler oder Cerith Wyn Evans. Beim Aufgang kann man in einem Video Rodney Graham 26 Minuten am Rücksitz eines Autos in nächtlicher Großstadt schlafen sehen – doch allein durch die doppelte Dosis eines Schlafmittels hervorgerufen. Der Schlaf der Vernunft scheint auch die Platz und Geld sparende Vereinigung von Bawag und Generali Foundation zu begleiten: für die Kulturszene in Wien ein Jammer.

Romantischer

Konzeptualismus

Kurator: Jörg Heiser

BAWAG Foundation

Zu sehen bis 1. Dezember

Exklusiv.

Mittwoch, 12. September 2007


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