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Kunstberichte

"Belvedere. Augarten Contemporary" zeigt Martin Schnurs "Schein"

Malerei ist keine Religion

Martin Schnur hat offenbar keine Berührungsängste mit romantischen Idyllen, wie das malerische Bild „Schein“ (2006) beweist.  Foto: Martin Schnur

Martin Schnur hat offenbar keine Berührungsängste mit romantischen Idyllen, wie das malerische Bild „Schein“ (2006) beweist. Foto: Martin Schnur

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Martin Schnur kommt von der Bildhauerei, aus der ehemaligen Klasse von Johannes Avramidis. Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass ihn Grundfragen nach Licht, Material und Bildraum mehr interessieren als Inhalte. Seine teils großformatigen Ölgemälde sind meist ineinander verschachtelte Doppelbilder, gegenläufig zu althergebrachten Regeln der Perspektive. Zuweilen treten die Bildfelder gegen einander in Konkurrenz, sie können aber auch farblich und inhaltlich verwoben sein. Neuerdings erhebt sich eine Figur in "Schein # 2" vom einen Bild in den Scheinraum des anderen.

"Rurbane" Momente

Deshalb auch der Ausstellungstitel "Schein", der schon die Malerei selbst über ihren Bezug zur Wirklichkeit befragt. Aber auch einfach nur den Lichtschein meint, denn Lichtflecken, Reflexionen und Blendungen durch Spiegel oder Discokugeln interessieren Schnur ganz besonders. Dabei und im Materialwechsel zu Papier und Kupfer, von Öl zu Aquarell und Kohle, ist er mit Lehrinhalten der Malerei seit jeher beschäftigt.

Doch er greift nicht nach alten Motiven, um sie zu kopieren, sondern kombiniert sie mit dem Heute. Meist geht er von Fotos und Skizzen aus, die Wirkung ist auch Filmstills ähnlich.

Seine Metaebenen fügen sich durch gleiche Oberflächenbehandlung wie zufällig zusammen, auch wenn die gezeigten Orte andere sind. Der Wienerwald im Gegenlicht und eine städtische Straßensituation kommen jenem neuen Begriff des "Rurbanen" (Dieter Spath) nahe: zwischen rural und urban verbergen Liegende oder Stehende oft ihre Gesichter. Physische und psychische Unsicherheiten im Dasein vermitteln die Figuren, vor allem wenn es noch dazu Heimatlose, Migranten mit schwarzer Hautfarbe sind.

Was zunächst fragwürdig scheint oder als Beobachtung ohne Mitleid politisch nicht korrekt anmutet, erweist sich als Hinweis auf romantische Verklärungen im Zusammenhang mit dem Sozialen.

Malerei soll die Welt also nicht mehr verbessern, klärt auch nicht auf, sondern widmet sich heute neben dem Problem der Form und der Bilderflut wechselnden Blickrichtungen und Geschwindigkeiten, Fragen von Lärm und Stille. Die Sujets führen weg von dramatischer Inhaltsdeutung und die verbliebenen Geheimnisse schwören in den Werken von Martin Schnur jeglicher metaphysischen Ebene ab.

Martin Schnur. Schein

Kuratorin: Eva Maria Stadler

Belvedere Augarten

Contemporary

bis 6. April

Blaues Licht.

Dienstag, 05. Februar 2008


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