Galerien
In die Mingvase gespuckt
(cai) Was passt nicht dazu? Taj
Mahal, Lenin Mausoleum, Empire State Building, Cheopspyramide? a) Das
Empire State Building natürlich. Das erinnert uns an das Verscheiden
eines überdimensionierten Affen (rattatata! plumps!), während die andern
drei Gebäude Grabbauten für Menschen sind. Oder b) Da passt eh alles.
Bloß nicht das Fernsehprogramm. (In jeder Hütte hat nämlich einer den
Fernseher laufen lassen und einen niveaulosen Sender eingestellt.)
Richtig ist: b.
Wenn man die Galerie Knoll betritt, reißt’s einen gleich: Hoppala!
Eine Filiale von Swarovski! Denn da funkeln vier Architekturjuwele.
Maßstabsgetreue Modelle. Glitzern in bester Swarovski-Manier und werfen
spektakuläre Zeichnungen aus Licht und Schatten an die Wände. Machen
aber verdächtige Geräusche. Grunzen, brüllen, quietschen. Weil das keine
heile Kristallwelt ist, das ist Sodom und Gorilla. Was das Russenduo
Blue Noses aufführt, ist ungefähr so, wie wenn man eine Mingvase als
Spucknapf benutzt oder der Kellnerim Nobelrestaurant dem geschockten
Gast einen Wein aus dem Tetrapak einschenkt. Die zwei leben
halt ihre niederen Instinkte aus. Und haben ziemlich peinliche
Blödelfilmchen in die Edelglashäuser integriert.
King Kong besteigt nicht das Empire State Building,sondern Marilyn
Monroe. Und Harrison Ford leistet bei einer weiblichen Mumie Erste
Hilfe. Nein, die "Herzmassage" ist eher eine sexuelle Belästigung. Wie
heißt der geschmackvolle Streifen? "Indiana Jones und
Nofretutterls Rache"? (Tschuldigung.) Moment: Der Harrison Ford gibt
sich für so was her? Na ja, nicht er persönlich. Ein Laiendarsteller mit
einer Kartonmaske, der kriecht in der Unterhose durch die
Grabkammer. Ich fürchte, auf dieses Hosenrunterlassen reagiere ich wie
die Hausfrau mit den vollen Einkaufssackerln, als ein Exhibitionist aus
dem Busch springt ("Verdammt! I hob die Shrimps vagessn!"): "Mist! I
brauch ja noch a Klopapier! Und der Billa macht gleich zu!"
Knoll Galerie Wien
(Gumpendorferstraße 18), Blue Noses Group
Bis 5. Februar, Di. – Fr.: 13 – 19 Uhr
Böse Mädchen parken ein
(cai)Eine Drehscheibe mit einem
hypnotisierenden Spiralmuster drauf und ein rotierendes Podest.
Harmlose kinetische Kunst? Nein, das Podest ist ja mit Messern garniert.
Ein Mahnmal gegen Gewalt? KatrinaDaschners markante, suggestive Objekte
sind anscheinend die Requisiten für ein sadomasochistisches
Rollenspiel: Der Messerwerfer und seine Assistentin. Die klassische
"Fernbeziehung" (der Mann schnallt das Weibchen fest und bewirft es mit
scharfen Gegenständen). Ausschauen tut’s jedenfalls so tiefsinnig wie
der Titel von einem Beziehungsratgeber ("Frauen kommen von der Venus,
Männer von hinterm Mond", "Warum Männer die Klobrille oben lassen und
Frauen trotzdem einparken"). Das Gruppenfoto, wo sich als Frauen
verkleidete Frauen (und Männer?) abbusseln, zelebriert aber eher einen
keuschen Farb- und Körperrythmus, als dass es ein feministisches
Manifest wäre (mit der Botschaft: "Notfalls lieben wir auch ohne
Männer").
Galerie Krobath
(Eschenbachgasse 9), Katrina Daschner, bis 5. März
Di. – Fr.: 13 – 18 Uhr, Sa.: 11 – 15 Uhr
Wie lautet das F-Wort?
(cai)Wieder einer mit einer
blauen Periode. Heimo Zobernigs gesittete abstrakte Pinselorgien sind
quasi ein Sehtest. Wenn man sich anstrengt, kann man im Blau was lesen.
Das provokante F-Wort zum Beispiel. Äh, Finanztransaktionssteuer? Ja,
auch. Und "Fuck" ("Fuck Sculpture Painting"). Sonst würd’ man die Bilder
wohl nicht so lang anstarren. Wahrscheinlich könnte da genauso gut
stehen: "Tabakgesetz." Die Inszenierung (die Wände dahinter krampfhaft
zu verhängen) macht die magere Malerei auch nicht fett.
Galerie Meyer Kainer
(Eschenbachgasse 9), Heimo Zobernig, bis 26. Februar
Di. – Fr.: 12 – 19 Uhr, Sa.: 11 – 16 Uhr
Galerien
Printausgabe vom Mittwoch, 02.
Februar 2011
Online seit: Dienstag, 01. Februar 2011 16:43:19