Fotos aus einem gefallenen Paradies

Die Galerie Steinek zeigt in der Himmelpfortgasse bis zum 27. September 25 schwarz-weiß und Farbfotos vom Leben in der Kommune Friedrichshof.


Von 1973 an hatte sich im südlichen Burgenland unter dem Aktionskünstler Otto Mühl eine Kommune von Aussteigern, Künstlern und Ökologiebewegten gegründet. Der Künstler und Soundforscher Theo Altenberg war von Anfang an dabei und hat zu seinen Erlebnissen auch ein Buch verfasst. Es erzählt von seinen Erlebnissen am Friedrichshof in den Jahren 1973 bis 1978.

Kommune Friedrichshof, 1976 / ©Bild: Galerie Steinek, Wien
Kommune Friedrichshof, 1976 / ©Bild: Galerie Steinek, Wien

Langjährige Mitgliedschaft

Von 1973-1990 war der heute in Berlin und Wien lebende Theo Altenberg Mitglied der experimentellen Lebensgemeinschaft Friedrichshof (zuerst Kommune Praterstraße/Wien, dann Aktions-Analytische Organisation AAO, schließlich Genossenschaft FH).

Einblicke

Der heute 48-jährige Ex-Kommunarde gewährt nach dem Kollaps der "Mühl-Monarchie" als einer der wenigen Insider Einblicke in die heißdiskutierte Kommune die in der Öffentlichkeit stark angefeindet wurde.

Individuelle Momentaufnahmen

Altenberg fördert mit seinen Fotos viel subjektives Erleben zu Tage. Auch Widersprüchliches kommt zu Tage. Schöne Seiten des Gemeinschaftsleben werden gezeigt - ob es ein verlorenes Paradies war, sei dahingestellt.

Selbstdarstellung, Friedrichshof, 1977 / ©Bild: Galerie Steinek, Wien
Selbstdarstellung, Friedrichshof, 1977 / ©Bild: Galerie Steinek, Wien

Theo Altenbergs Aufnahmen rekonstruieren ein Stück bisher ungeschriebener Alternativ-, Sozial- und Kunstgeschichte sowie den Alltag der Kommune. Als einer der engagiertesten Initiatoren innerhalb der Friedrichshof-Gemeinschaft war Theo Altenberg in einer zentralen Position aktiv.

Alternbergs Aktivitäten

Er initiierte und war verantwortlich für die AA-Nachrichten, das Kunstbüro, El Cabrito/La Gomera - Artists in Residence, die Zusammenarbeit mit Beuys wie dem Projekte 7000 Eichen und Apollo-Zelt bei der documenta 7, Kassel hervorbrachte. Weiters arbeitete er mit dem Archiv und der Sammlung Wiener Aktionismus zusammen und organisierte Besuche von Künstlern am Friedrichshof (Brus, Beuys, Paik, Nitsch, Penck, Roth u.a.), und Ausstellungsprojekte in internationalen Museen.

Altenberg heute

Seine Vision einer vorurteilsfreien, künstlerisch denkenden, basis-demokratischen Gesellschaft als regional/global vernetzte Lebensform hat Theo Altenberg nicht aus den Augen verloren. Sein "aktionistisches" Leben existiert weiter in Projekten zur elektronischen Experimentalmusik sowie in Filmen mit Paulo Bianchi.

Kommune Praterstraße, Wien 1973 / ©Bild: Galerie Steinek, Wien
Kommune Praterstraße, Wien 1973 / ©Bild: Galerie Steinek, Wien

Tipp:

Theo Altenberg, "Das Paradies Experiment. Die Utopie der freien Sexualität. Kommune Friedrichshof 1973-1978", Triton Verlag, ISBN 3854860919.

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