| "Ich will kein Disneyland-Museum machen" | |
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Die Museumspolitik erzeuge unsinnigen Kostendruck, kritisiert Lorand
Hegyi, der die Ausgliederung "für sehr problematisch" hält.
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"Es war meine Entscheidung." Lorand
Hegyi, der mit Jahresende scheidende Direktor des Museums Moderner Kunst
Stiftung Ludwig Wien (MMKSLW), hält im Gespräch mit der APA dezidiert fest, dass
er ursprünglich einen bis Ende September 2003 laufenden Direktorenvertrag
gehabt habe (ausgestellt am 22.2.2000). Darin wäre allerdings die
Bedingung festgehalten gewesen, dass das Museum bis 2002 ausgegliedert
werden müsse. "Damit war ich aber nicht einverstanden. Die Ausgliederung
halte ich in dieser Form für sehr problematisch." Abgang nach der großen Eröffnung Hegyi wird im September noch den Neubau des MMKSLW im Museumsquartier
eröffnen und bald danach seinen Schreibtisch räumen. "Ich wäre gern hier
in Wien geblieben. Allerdings nur ohne Ausgliederung. Es ist nicht leicht
für mich, von Wien wegzugehen. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt. Aber
ich will kein Disneyland-Museum machen, sondern eine seriöse
historisch-theoretische Aufarbeitung der Moderne." Den Grundfehler der vorherrschenden Museumspolitik sieht Hegyi darin,
dass Institutionen ausgegliedert würden, die ihre Aufgabe nicht
eigenverantwortlich, mit den dafür vorgesehenen Strukturen und Mitteln,
erfüllen könnten. Hegyi im Original "Ich glaube, ein Museum Kunst ist kein Instrumentarium, Geld zu machen.
Ich bin sehr skeptisch, ob sich diese Institutionen künftig selbst
finanzieren können. Mit der Ausgliederung hat man pro forma eine
Autonomie, die sich aber inhaltlich schwer realisieren lässt. Wovon soll
ich Millioneneinnahmen haben? Das geht nur durch große, populäre
Ausstellungen mit großen, klassischen Namen. Ich gehe davon aus, dass ein
Museum für moderne Kunst die Aufgabe hat, dem Publikum Werte zu
vermitteln, diese zu etablieren. Aber das bringt kein Geld. Im Gegenteil:
Das kostet Geld." Negativbeispiel Albertina? Die Ausgliederung und der damit verbundene Kostendruck bringe überdies
eine Nivellierung des Ausstellungsangebotes für Wien: "Die pluralistischen
Strukturen gehen verloren, wenn plötzlich alle - Ausstellungshallen,
private Kunsthäuser und öffentliche Museen - das gleiche Programm machen.
Das ist ein prinzipieller Irrtum und wird früher oder später zu einer
Identitätskrise der Museen führen." Im geplanten Programm der
ausgegliederten Albertina sieht Hegyi einen Beweis für seine Kritik. Positive Bilanz Mit der Bilanz seiner dann elf Direktorenjahre im MMKSLW ist Lorand
Hegyi nicht unzufrieden: "Das Programm, das ich anfangs deklariert habe,
habe ich mehr oder weniger erfüllt. Der Schwerpunkt lag auf der
Integration ehemaliger Peripherien. So habe ich die Kunst aus Mittel- und
Osteuropa in die Sammlung aufgenommen." Als Krönung seiner Leitungsjahre
sieht Hegyi die 1999/2000 gezeigte Ausstellung '50 Jahre Kunst aus
Mitteleuropa'." Zu seinen Aktiva zählt Hegyi auch die Neustrukturierung der
Ankaufspolitik mit den Schwerpunkten Arte Povera, abstrakte Tendenzen der
60er, 70er und 80er Jahre, Minimal Art oder Installationskunst. "Da haben
wir eine weltweit anerkannte Sammlung aufgebaut. Was hier so oft
kritisiert wurde, hat international große Anerkennung gefunden." Wechselvolle Museumsgeschichte Bei seiner späten Gründung (1962 als Museum des 20. Jahrhunderts) war
für das Museum der Erwerb der großen Meister der klassischen Moderne und
der historischen Avantgarde der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kaum
mehr erschwinglich. Hegyi folgte drei Direktoren mit unterschiedlichen
Sammlungskonzeptionen und sollte eine ziemlich heterogene Sammlung
konturieren und strukturieren sowie Lücken in den Sammlungsbeständen
füllen. Nach der Pionierleistung von Gründungsdirektor Werner Hofmann, der den
Grundstock zu einer internationalen Sammlung legte, richtete sein
Nachfolger Alfred Schmeller den Fokus auf die zeitgenössische
österreichische Kunst. Mit der Gründung des Museums moderner Kunst im
barocken Palais Liechtenstein, für das das deutsche Sammlerehepaar Irene
und Peter Ludwig bedeutende Leihgaben zur Verfügung stellte (mit
Schwergewicht Pop Art und realistische Tendenzen) kam es unter dem neuen
Direktor Dieter Ronte zu wiederum gründlicher Neukonzeption. Nach Rontes
Bemühungen um Lückenfüllung zwischen zeitgenössischer österreichischer
Kunst nach 45 und internationaler Kunst, suchte Hegyi einen Schwerpunkt
bei der aktuellen Kunst der 80er und 90er Jahre - mit globaler
Ausrichtung, die neben Mittel- und Osteuropa auch Lateinamerika und Asien
einbezog. Globalisierung, Mediatisierung, Multikulturalität, Minderheitenfragen
sowie Body- und Gender-Diskurse wurden als Leitthemen in die
Sammlungspolitik eingebracht. Was Hegyi auch den Vorwurf einbrachte, nicht
in die richtige Richtung und zu jenen Zentren zu blicken, in denen sich
der aktuelle Kunstdiskurs abspiele. Zurück zur Wissenschaft Über seine weitere berufliche Zukunft will Hegyi keine näheren Angaben
machen, lässt aber durchblicken, über zwei konkrete Optionen in Westeuropa
zu verfügen, die er derzeit prüfe. Beides wären Aufgaben, die ihm die
Fortführung seiner wissenschaftlichen Tätigkeit im Kunstbereich
ermöglichen würden - "keine Managementposition, keine Kunsthallenleitung!"
Mit Besucherstatistiken und Auslastungszahlen scheint sich Lorand Hegyi
künftig nicht mehr befassen zu wollen. | ||