| Salzburger Nachrichten am 6. Oktober 2005 - Bereich: kultur
Staatspreis für Nitsch Die hohen Weihen für
Hermann Nitsch reißen nicht ab: nach Ehrenzeichen der Stadt Wien,
Burgtheater, Staatsoper nun der "Große Österreichische Staatspreis".
Wien (SN-hkk). Staatssekretär Franz Morak (ÖVP) gab am Mittwoch
bekannt, dass Hermann Nitsch den "Großen Österreichischen Staatspreis"
2005 erhalten wird. Der 67-jährige Künstler habe Österreichs
Kunstgeschichte als einer der Protagonisten des Aktionismus mitgeprägt,
sagte Morak. "Er ist heute eine zentrale Figur österreichischen
zeitgenössischen Kunstschaffens, der in seinem Werk grundlegende Fragen
des Menschseins thematisiert", heißt es in einer Presseaussendung. Der mit
30.000 Euro dotierte Staatspreis ist die höchste Auszeichnung, die die
Republik seit 1950 für hervorragende Leistungen in Literatur, bildender
Kunst, Musik oder Architektur verleiht. Morak würdigte Nitschs Idee vom "Orgien Mysterien Theater", das der
Künstler seit 1958 entwickelt. Dieses "Gesamtkunstwerk für alle Sinne" hat
er seit 1971 in seinem Schloss Prinzendorf veranstaltet. Hermann Nitsch
ist ein Vertreter des Wiener Aktionismus. Bekannt wurden seine
Farbschüttaktionen und Schüttbilder. Die Serie der staatlichen Würden begann heuer im Februar, als die Stadt
Wien eine "Goldene Ehrenmedaille" an Hermann Nitsch verlieh. Am 19.
November wird er zum ersten Mal im Burgtheater auftreten und die 122.
Aktion des "Orgien Mysterien Theaters" veranstalten. Auch an der
Staatsoper war Nitsch engagiert, allerdings nicht - wie im Burgtheater -
als "Gesamtkünstler", sondern 1995 für Bühnenbild und Mitregie der Oper
"Herodiade". Zuletzt gab es Aufregung wegen eines Videos mit Aufnahmen des
"Orgien Mysterien Theaters", das zum Ballett zu Strawinskys "Renard"
gespielt wurde. Trotz Protesten aus dem Publikum setzte
Staatsoperndirektor Ioan Holender durch, dass das Video weiterhin gezeigt
wird. In Mistelbach entsteht ein Hermann-Nitsch-Museum, das 2007 eröffnet
werden soll. Dafür wird das Land Niederösterreich ein Gebäude um 2,9
Millionen Euro errichten. Die Nationalgalerie in Berlin bereitet für 2006
eine Retrospektive vor. |