In
Graz, der Europäischen Kulturhauptstadt 2003, lenkt die Dramaturgin
Veronica Kaup-Hasler als Intendantin die Geschicke des zeitgenössischen
Kunstfestivals „steirischer herbst“. Die OÖN sprachen mit ihr über die
künftige Kulturhauptstadt Linz 09.
OÖN: Was verbinden Sie mit Linz? Kaup-Hasler:
Neben persönlichen Freunden, die ich dort habe, kenne ich Linz vor
allem als Ort der Kunst, mit seinen Festivals und dem Lentos. Ars
Electronica und Klangwolke sind unverwechselbare Markenzeichen dieser
Stadt. OÖN: Wie bewerten Sie die Festivals? Kaup-Hasler:
Die Ars Electronica hat in der Frühphase sehr starke Zeichen gesetzt
und hat sich jetzt einer viel größeren Konkurrenz zu stellen, weil es
mehr Orte gibt, die sich mit neuen Technologien, mit neuen Medien
auseinandersetzen. Außerdem ist der Umgang mit neuen Technologien so
sehr schon in unseren Alltag integriert, dass sich der Neuigkeitswert
immer mehr relativiert. Heute ist es schwerer, eine Ars zu machen, als
noch vor 20 Jahren. OÖN: Gerade von politischer Seite wird Lentos-Direktorin Stella Rollig vorgeworfen, zu wenig publikumswirksam zu programmieren. Kaup-Hasler:
Wenn man als Vorreiter im Bereich des avancierten Kunstgeschehens
arbeitet, wird man nie gleichermaßen das Gebot erfüllen können, die
Massen anzuziehen. Entscheidend ist, ob sich Linz bewusst etwas
leistet, das auch international wahrgenommen wird. Das ist ein
wichtiger Punkt für das Image einer Stadt. Es gilt, die Balance durch
Vermittlung zu schaffen. OÖN: Ist Linz schön? Kaup-Hasler:
Vielleicht nicht im herkömmlichen Sinn. Aber ich bin total begeistert
von einer Stadt, in der ein Fluss wahrnehmbar und sichtbar eine
Stadtstruktur bestimmt. Die Donau hat in Linz einen ganz anderen
Stellenwert als in Wien. Mir gefällt die Lage, Linz ist ein Tor
zwischen Osten und Westen. Zudem gibt es eine proletarische Ebene, die
einen rohen Charme hat. Das sind die Elemente, mit denen man spielen
kann, aber man muss sich anschauen, ob das noch stimmt, oder ob es
Klischees sind, die man im Kopf hat. OÖN: Was bringt, aus der Grazer Erfahrung von 2003, der Titel Kulturhauptstadt? Was bleibt davon? Kaup-Hasler:
Es bringt einen lustvollen Ansporn, über außergewöhnliche Konzepte und
Projekte verstärkt nachzudenken, und dass die Kultur eine Zeitlang in
aller Munde ist. Auch Politiker merken, was für ein Mehrwert durch
Kunst geschaffen werden kann. Es möge bleiben, dass dieser
Enthusiasmus, der im Vorfeld herrscht, weit über 2009 hinausreicht. Das
ist das Entscheidende. Es kann nicht sein, dass Kulturhauptstadt nur
ein kurzes Aufflackern ist, und dann fällt man in einen Kater nach dem
Fest, ist der Blues da, hat man eine eher feindselige Stimmung. Das
gilt es im Vorfeld durch einen fröhlichen Pragmatismus und Realismus zu
bekämpfen. Es gilt, lokale und hochwertig arbeitende Institutionen zu
stützen, damit diese ein anderes Auftreten haben können. Natürlich muss
man dazu auch ein internationales Programm haben, aber entscheidend
ist, wie sich Linz selbst präsentiert. OÖN: Wie lief Graz 2003? Kaup-Hasler:
Es hat eine die ganze Stadt erfassende Hochstimmung gegeben, der bald
der Blues gefolgt ist, weil die Gelder nicht mehr geflossen sind. Nach
2003 war es ziemlich windstill, was bei einigen eine größere Depression
ausgelöst hat. Die Politiker wären gut beraten, sich schon jetzt
Gedanken über die Nachhaltigkeit zu machen.
vom 29.11.2007 |