Der dänische Architekt Jörn Utzon ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Dies berichteten Medien am Samstag in Kopenhagen. Utzons bekanntestes Bauwerk ist das Opernhaus der australischen Großstadt Sydney, die "Muschelschale", mit seiner futuristischen Dachkonstruktion. Es war nach seiner Eröffnung 1973 schnell zum weltberühmten Wahrzeichen der Stadt geworden.
"Nobelpreis" für Baukunst
Utzon gewann zahlreiche Auszeichnungen für seine Arbeit, darunter den renommierten Pritzker Preis für Architektur 2003 für sein Lebenswerk. Der Preis gilt auch als Nobelpreis für Baukunst. In Australien wurde der Architekt am Sonntag als "kreatives Genie" gewürdigt. Mit dem segel-ähnlichen Design des Opernhauses habe er ein Gebäude geschaffen, das heute "weltweit als Symbol unseres Landes" erkannt wird, sagte dessen Leiter Kim Williams.
Im Mai, kurz nach Utzons 90. Geburtstag, war in seiner Heimatstadt Aalborg ein Dokumentationszentrum für seine Arbeiten eingeweiht worden. "Utzon war eine große Inspiration für junge Architekten und er hatte ein großes Verständnis für das Wesentliche der Bauweise aus verschiedenen Kulturen", sagte der Direktor des Zentrums, Adrian Carter, am Samstag.
Starke Kritik an Opern-Projekt
Utzon, der am 9. April 1918 in Kopenhagen geboren wurde, hat an der dortigen Kunsthochschule studiert. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete er mit dem schwedischen Architekten Gunnar Asplund, der ihn nach eigener Aussage stark beeinflusst hat. Außerdem reiste er durch Europa, die USA und Mexiko. 1950 machte er sich mit einem eigenen Büro in Kopenhagen selbstständig. 1957 gewann er einen Architektenwettbewerb für die Gestaltung eines Opernhauses in Sydney. Das Gebäude wurde 1973 eingeweiht, doch Utzon hatte sich bereits 1966 nach Unstimmigkeiten über gigantisch angewachsene Kosten, überzogene Fristen und immer neue Kritik an der gewagten Konstruktion aus dem Projekt zurückgezogen. Er kehrte nie wieder auf den fünften Kontinent zurück. Das Gebäude hat jedes Jahr 7,5 Millionen Besucher.
Utzon entwarf unter anderem das Schauspielhaus in Zürich (1964), das im Golfkrieg schwer beschädigte Parlamentsgebäude in Kuwait (1972), die Bagsvaerd-Kirche in Kopenhagen (1976) und auch zwei berühmt gewordene eigene Wohnhäuser auf Mallorca. Auf der Baleareninsel hat er fast 40 Jahre lang gelebt. Zuletzt beteiligte er sich mit Unterstützung seines Sohnes Jan an der Modernisierung des Inneren von Sydneys Opernhaus. "Es ist nur natürlich, dass das Gebäude den Bedürfnissen und technischen Möglichkeiten unserer Tage angepasst wird", hatte Utzon zu Beginn des Projektes gesagt.
"Licht aus" in Sydney
In dem Opernhaus wurden am Sonntag aus Respekt für eine Stunde die Lichter ausgeschaltet werden. Am Montag sollten die Flaggen auf der nahe gelegenen Hafenbrücke auf halbmast wehen. "Wir würdigen einen Visionär, dessen Design für ein architektonisches Meisterwerk heute in aller Welt den Geist unserer großartigen Nation symbolisiert", sagte der Premierminister des Bundesstaates New South Wales, Nathan Rees.
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