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Ärger mit Graffiti

Künstler haben bekanntlich selten ein einfaches Leben. Und Straßenkünstler haben es noch schwieriger. Besonders wenn man sich auf das Besprühen von Hauswänden spezialisiert hat. Nicht nur ist die Graffitimalerei eine physisch anstrengende Arbeit, sie ist auch illegal.

Will man als Sprayer nicht nach jeder Kreation im Gefängnis landen, sollte man besser nur in der Nacht arbeiten.Doch nun werden Los Angeles’ Graffitipioniere – deren Kunst per Definition Anti-Establishment ist – ausgerechnet durch eine etablierte Institution, nämlich das L. A. Museum of Contemporary Art (MOCA), erstmals offiziell für ihr Lebenswerk geehrt.

Art in the Streets“ heißt die Ausstellung, die Mitte April eröffnet wurde und das erste groß angelegte Museumsprojekt zur bewegten Geschichte und Entwicklung von Street Art und Graffiti in den USA ist. Schon im Vorfeld sorgte die Ausstellung – die neben Werken von Newcomern auch die Arbeiten bekannterer Street-Art-Künstler wie Bansky, Shepard Fairey, JR, Fab5 Freddy, Futura oder Os Gemeos zeigt – für Kontroversen. Schließlich investiert die Stadt Los Angeles jährlich rund 10 Millionen US-Dollar, um Graffiti von Hauswänden, Billboards sowie Freeway- und Straßenschildern zu entfernen.

Erwartungsgemäß hat die Ausstellung in Downtown L. A. eine regelrechte Welle von Farbsprühern ausgelöst, die in den letzten Monaten Gebäude, Straßenlaternen und Briefkästen in bunte „Kunstobjekte“ verwandelten. Los Angeles’ Ex-Polizeichef Bill Bratton zeigte wenig Verständnis für die „Verherrlichung“ von Graffiti und erklärte, er würde die Ausstellung niemals besuchen. Für Bratton war es jahrelang eine der wichtigsten Anliegen gewesen, Graffiti auszurotten. Und es war ihm zum Großteil gelungen. Nun hätte die Ausstellung jeden „Schmierfink“ der Stadt aus den Löchern gelockt, so die weit verbreitete Meinung der Polizei.

Niemand bestreitet, dass Graffiti nicht nur als künstlerischer Ausdruck, sondern auch den Straßengangs als Kommunikationsmittel dient. Per Graffiti werden Gangterritorien abgesteckt und verschlüsselte Nachrichten übermittelt.Stadtviertel, die voller Graffiti sind, leiden unter fallenden Grundstückpreisen, denn niemand zieht freiwillig in so ein Bandenviertel.

Auch die Wände des MOCA selbst blieben nicht von unerwünschtem Graffiti verschont. Museumsdirektor Jeffrey Deitch ließ diejenigen, die ihm nicht gefielen, entfernen und unterstützte auch die Säuberungsarbeiten in MOCAs unmittelbarer Nachbarschaft. Selbst ein offiziell in Auftrag gegebenes Außenwandgemälde des Street-Art-Künstlers Blu, der mit Ein-Dollar-Noten drapierte Särge auf die MOCA Außenwand malte, ließ Deitch entfernen. Er meinte, vom direkt gegenüberliegenden Veteranenkrankenhaus sei so ein Blick nicht täglich zumutbar. Nun wird dem MOCA-Chef Doppelmoral und Kulturzensur vorgeworfen.Doch Mr. Deitch lässt sich von solchen Vorwürfen nicht beirren. Sein Ziel sei es, Graffiti-Art in einem historischen und durchaus kritischen Kontext zu zeigen. „Ich möchte, dass die Leute sich die Kunstwerke ansehen und begreifen, dass Street- Art einen wichtigen Beitrag zu unserer zeitgenössischen Kunst geleistet hat!“

Tv / 21.05.2011 21.05.2011 / Print

 
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