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Hauptausgabe vom 16.10.2003 - Seite 021
Mit viel Jagdfreude auf der Kunstpirsch

Achtzig Kunstwerke hat das Linzer Ehepaar Maria und Gerald Fischer-Colbrie seit dem Jahr 1976 der Neuen Galerie bzw. dem Lentos geschenkt. 60 Arbeiten sind jetzt im Lentos zu sehen.

VON IRENE JUDMAYER

"Wir haben nur Sachen gekauft, die uns auch gefallen haben und das, ohne auf Wertsteigerung zu spekulieren!", antwortet der seit fast dreißig Jahren aktive Kunst-Stifter Gerald Fischer-Colbrie auf die OÖN-Frage, nach welchen Kriterien das Linzer Ehepaar seine Kunstkäufe getätigt hat: "Und weil uns zum wirklichen Sammeln immer das Geld gefehlt hat, haben wir die steuerlich günstige Form der Stiftung genutzt!"

Zur Kunst kam Fischer-Colbrie durch seine Frau: "Maria hat mich das Sehen gelehrt. Von der Gotik über die Romanik kamen wir dabei zur Moderne. Es hat sich auch eine gewisse Jagdfreude entwickelt. Das war die Basis unseres 50-jährigen Ehelebens, das wir heuer noch feiern durften!"

Ein erfülltes Eheleben, das durch den Tod der engagierten Kunstliebhaberin während der Vorbereitung der aktuellen Ausstellung ein schmerzliches Ende fand.

Ausgangspunkt der befruchtenden Stiftungs-Partnerschaft mit Galerie/Lentos-Chef Peter Baum war das Jahr 1973. Fischer-Colbrie: "Damals waren wir bei Baums Ausstellung von Rudolf Hoflehner. Mit dem konnten wir absolut nichts anfangen, darum sind wir 3-mal hingegangen, um uns das von Peter Baum erklären zu lassen!" Damals hat der Funke gezündet und aus diesem Grund schenkte der rege Stifter Peter Baum gestern auch das aktuellste Blatt der Lentos-Sammlung: "Einen Hoflehner".

Zuhause haben die Kunstkenner eine "Wechselwand". Da werden neu erworbene Werke "zwei, drei Monate erprobt", bevor sie Baum holen kommt. Auf die Frage, ob er sich hin und wieder gestiftete Werke "ausborge" sagt Fischer-Colbrie: "Nein, geschenkt ist geschenkt." Ein Stifter ohne Verlustängste? "Ja. Aber das hab' ich als Kind hart lernen müssen. Damals hat mir das Schenken schon weh getan. Heute macht es mir eine Freude."

Ein einziges Mal tätigte das Ehepaar einen "unehrlichen Kauf": Die Rainer-Radierung "Die grüne Nase" in der Stubenbastei in Wien. "Aber der Linzer Galerist Richard Eder hat uns dann doch noch zum Rainer bekehrt und bei seiner ersten Ausstellung im Atelierhaus im Dörfl haben wir dann den ersten Rainer ehrlich gekauft."

Die beachtlichen Ergebnisse dieser Leidenschaft werden in einer Auswahl von 60 Arbeiten - von Mühl bis Kogelnik - noch bis 23. 11. im Linzer Kunstmuseum Lentos präsentiert.


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