| Salzburger Nachrichten am 17. August 2004 - Bereich: kultur
Stiftungen für die Kunst
"Der Stiftungsgedanke ist auf dem Vormarsch", sagt Heribert Meffert im SN-Gespräch in
Salzburg. Der deutsche "Marketing-Papst" ist nun Präsident der Bertelsmann
Stiftung, die sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, Eigeninitiative und
Gründung von Stiftungen zu unterstützen. Die Bertelsmann Stiftung hat
heuer erstmals den Salzburger "Trilogue" finanziert, jenes Treffen von 24
Politikern, Managern und Künstlern, das kurz nach Beginn der Salzburger
Festspiele stattgefunden hat. Dies ist der Start für die Finanzierung
ähnlicher Treffen in den kommenden drei Jahren. Für Kunst und Kultur könnten Stiftungen aus drei Blickwinkeln interessant werden: Als
Organisationsform für Veranstalter, als Stadt-Stiftung und als Quelle für
Schenkungen. Die Bertelsmann Stiftung gewähre für derartige Projekte keine
finanzielle Unterstützung, doch stelle sie Know-how zur Verfügung, wie man
Stiftungen gründe, führe und entwickle, sagt Heribert Meffert. "Wir
fördern den Stiftungsgedanken." Immer mehr Kulturinstitutionen würden aus der staatlichen Verwaltung herausgelöst
und als Stiftungen organisiert, berichtet Heribert Meffert. Die
Bertelsmann Stiftung hat zu diesem Thema eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um
Erfolgsfaktoren von "Kultureinrichtungen in Stiftungsform" zu analysieren.
Beiträge dieser Gruppe sind vor kurzem in einem Sammelband publiziert
worden. Eines der Ergebnisse: Der Wechsel von staatlichem Betrieb zu
Stiftung erfordere einen grundlegenden Wandel der Unternehmenskultur, etwa
in den Bereichen Marketing oder Mitarbeiterführung. Fundraising - also
Geldbeschaffung abseits des Kartenverkaufs - muss von einer
Nebenbeschäftigung zur Kernaufgabe werden. Und auf allen Ebenen muss eine
solches Unternehmen für ehrenamtliche Tätigkeiten geöffnet werden. Ein anderes Modell, das von der Bertelsmann Stiftung mit Rat und Wissen unterstützt werden
kann, sind so genannte Stadt-Stiftungen. In Zeiten mit leeren Kassen der
Stadtverwaltungen könnten solche Stiftungen Aufgaben der Gemeinschaft -
sei es Altenpflege, Drogenprävention oder die Unterstützung des Theaters -
übernehmen, erläutert Meffert. Solche Stadt-Stiftungen würden nicht nur
Geld bereitstellen, sondern auch unentgeltliches Engagement der Bürger
organisieren. Nach Angaben Mefferts gibt es in Deutschland bisher etwa 60
Stadt-Stiftungen. Interessant sei dies vor allem für mittelgroße Städte.
Drittens könnten Stiftungen Geldquellen für Kunst sein. Die Bertelsmann Stiftung
hat in einer Studie, die vor kurzem fertig gestellt wurde, die Motive für
die Einrichtung von Privatstiftungen untersucht. Wichtigster Grund ist die
Regelung von Erbschaften. Doch ein weiteres Motiv ist der Wunsch, zu
helfen. Dies komme insbesondere dem Gesundheitsbereich oder der Forschung
zu Gute, erläutert Meffert. Allerdings: Knapp zehn Prozent solcher
philantropischen Stiftungen fördern auch Kunst. hkk |