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02.05.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung
"Ob gut oder schlecht - verkauft"
VON ALMUTH SPIEGLER
Zeitgenössische chinesische Kunst. Ein unglaublicher Boom in den vergangenen Monaten elektrisiert und beunruhigt den Markt zurzeit gleichermaßen.

M
it Bedacht scheint in China gar nichts mehr zu gehen, selbst in der Kunst nicht. Das Wirt schaftswunder des Landes reißt auch den Kunstmarkt mit, der in den vergangenen Monaten vor allem durch eine Hausse in der zeitgenössischen Kunst die Kraft eines Drachens entwickelt hat - einerseits staunenswert, aus der westlichen Perspektive allerdings mehr beängstigend. "Asian Invasion" wird das Phänomen mit kriegerischem Beigeschmack betitelt. "Zeitgenössische chinesische Kunst startet zurzeit durch wie eine Rakete. So, wie vor ein paar Jahren die russische Kunst", sagt Monika Wiltschnigg von Sotheby's Österreich.

Konzentrierten sich chinesische Sammler in den vergangenen Jahren traditionell eher auf die Bereiche der asiatischen Moderne und Antiquitäten, wird seit wenigen Monaten auch wie wild mit aktueller Kunst spekuliert. Die Preise explodieren, an Geld mangelt es bei Chinas Neureichen schließlich nicht - mehr dagegen an Erfahrung und Wissen, wie einige Experten bemäkeln.

Hält den preislichen Weltrekord für das Werk eines lebenden chinesischen Künstlers seit vergangenem November mit Wu Guanzhong zwar noch immer ein am Pariser Vorbild geschulter chinesischer Moderne-Vertreter - eines seiner impressionistischen Sujets erzielte 3,7 Mio. $ -, können als untrügerischstes Zeichen für die Trendwende die Aktivitäten der führenden Auktionshäuser Sotheby's und Christie's gesehen werden. Beide erreichten im vergangenen halben Jahr Rekordsummen mit Auktionen für zeitgenössische asiatische Kunst.

Im November etwa nahm Christie's in Hongkong bei mehreren Terminen für zeitgenössische Kunst insgesamt 12,7 Mio. $ ein. Und die Käufer sind hier ganz und gar nicht aus dem Westen: 83 Prozent, so Sotheby's-Expertin Evelyn Lin, stammten bei ihrer letzten Auktion in Hongkong aus Taiwan, China, Singapur, Korea und Indonesien. Nachdem am Festland ausländische Auktionsunternehmen legal nicht erlaubt sind, operieren Christie's und Sotheby's von Hongkong aus. Und warten, bis sich der Markt weiter öffnet - schließlich setzten lokale chinesische Auktionshäuser laut "Art & Auction" 2004 eine Milliarde Dollar um, ganze 25 Prozent davon mit aktueller Kunst.

Erstmals organisierte Sotheby's diesen März auch während der traditionellen "Asian Week" in New York eine Auktion nur für zeitgenössische asiatische Kunst. Den Höhepunkt markierte Zhang Xiaogangs Porträt "Comrade 120" um 860.000 $ (Schätzpreis: 250.000-350.000 $). Trotz allem: Das teuerste Los der "Asian Week" fand sich immer noch im klassischen Bereich: Ein Krug aus der Yuan-Dynastie war einem Sammler bei Christie's 4,2 Millionen Dollar wert.

Anders als im Auktionsbereich wird die chinesische Galerienszene bereits seit Mitte der 90er Jahre schon von westlichen Galeristen unterwandert. Und auch der wichtigste Sammler zeitgenössischer asiatischer Kunst ist ein Mann des Westens - der ehemalige Schweizer Botschafter in China, Uli Sigg, in chinesischen Künstlerkreisen wie ein Gott verehrt. Warum, das war vergangenen Sommer im Berner Kunstmuseum zu sehen, wo Sigg seine unglaubliche Sammlung erstmals zeigte.

Lorenz Helbling jedenfalls war 1995 der Erste, der in Shanghai eine kommerzielle Galerie für zeitgenössische Kunst gründete - "Shanghart". Gut im Geschäft ist auch der Berliner Alexander Ochs, der in seinem "White Space" in Peking übrigens gerade Hermann Nitsch auf Yang Shaobing treffen lässt.

Letzterer gilt zu den (Marken-)Namen, die man sich jedenfalls merken sollte: Seine düsteren Motive sind mit Preisen bis zu 60.000 $ allerdings fast günstig zu nennen im Vergleich zu den beiden Vorreitern dieser neuen, extrem erfolgreichen Künstlergeneration: Als teuerster Maler gilt Fang Lijun, Hauptvertreter des in den frühen 90ern entstandenen "Zynischen Realismus". Seine plakativen, grellbunten Sujets, kosten bis zu 250.000 $. In ähnlichen Gefilden bewegt sich noch Yue Minjun, 1999 von Szeemann auf der Biennale Venedig vorgestellt.

Auch österreichische Galeristen überlegen sich dieser Tage den Sprung in den Fernen Osten: Ursula Krinzinger und Lukas Feichtner waren 2005 erstmals bei der "Chinese International Gallery Exposition" (CIGE) in Peking vertreten. Heuer, wo eigentlich eine größere Österreich-Abordnung geplant war, fiel der vielversprechende Besuch allerdings aus: Es gab Zwistigkeiten bei der Messe-Leitung, die alte Führung wurde vom Ministerium entmachtet. Doch die Gegenbewegung wurde bereits gestartet: Im Herbst soll es, laut Krinzinger, sogar zwei Messen für zeitgenössische Kunst in Peking geben.

Im Grunde fühlt die Wiener Galeristin sich vom China-Boom allerdings eher beängstigt. Und auch international gibt es durchaus auch Zweifel: Über die Qualität etwa - denn, egal "ob gut oder schlecht, es ist schon verkauft", beklagt etwa Uli Sigg in der Zeitschrift "Artinvestor". Und "Art & Auction" fürchtet, dass die Preise nur von spekulierenden asiatischen Yuppies derart in die Höhe getrieben werden und das Phänomen so nur zu einem wird - einem "bubble in Asia".

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