


Peter Weibel und Andrea Ecker
Wien - Als "Schnelldenker und Schnellsprecher, der nicht aufhören kann, Verbindungen herzustellen" zeichnete Kunst-Sektionschefin Andrea Ecker im Kulturministerium, den Medienkünstler Peter Weibel mit dem österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse aus. "Preise und Auszeichnungen sind ungerecht und unfair", merkte der Jubilar in den Dankesworten an - und beauftragte deshalb einen ehemaligen Verfassungsrichter, den deutschen Kunstsammler Harald Falckenberg, weniger mit einer Laudatio, denn mit einem juristischen Urteil: "Denn ich war nicht sicher, ob ich dieses Ehrenkreuz überhaupt verdiene."
Launige Laudatio
Und tatsächlich setzte Falckenberg in seiner Laudatio den Ausgezeichneten umgehend auf die Anklagebank. Ein "ganzes Register zweifelhafter Auszeichungen" - von Arresten und Anzeigen wegen der Erregung öffentlichen Ärgernisses, der boshaften Sachbeschädigung, des Verstoßes gegen den Pornografieparagrafen - fand der Laudator in Weibels jüngeren Jahren, die von Ereignissen wie der Uniferkelei, oder von jenem bekannten Spaziergang an VALIE EXPORTs Leine geprägt waren. All diese Delikte endeten "mit Bewährung: das heißt also, unser Preisträger steht immer noch unter Beobachtung".
Außerdem, so der Laudator weiter, sei Weibels Leben wie von einem roten Faden "von Lügen durchzogen". Für kaum etwas habe er Belege gefunden, für Weibels Studien (Mathematik, Medizin, Philosophie u.a.) "liegen mir Leistungszertifikate oder Abschlussurkunden nicht vor". Das Schmunzeln hatte Falckenberg mit diesem Seitenhieb auf die erst kürzlich unter Beschuss gerate, weil niemals eingereichte Dissertation des Ehrendoktors Weibel natürlich auf seiner Seite. "Entlastend" führte der Jurist dann aber noch ausführlich die "einzigartige Karriere" des Künstlers, Theoretikers, Kurators, Universitätsprofessors und Museumsleiters an. "Weibel the bible" werde er gerne genannt, weil er sein umfassendes Wissen gerne in "Elaborate, die man nicht mit Händen tragen kann", weil sie so viele Seiten umfassen, verwandelt.
Dass Weibel "im Barock wohl als Universalkünstler und Universalgelehrter" gegolten hätte, betonte auch Ecker, die das Ehrenkreuz in Vertretung von Ministerin Claudia Schmied (S) überreichte. Mit seiner Verbindung von Digitalisierung, Neurologie und Kunst arbeite er aber auch heute mit seinem "unkonventionellen, kreativen Wirken" nicht zuletzt als Leiter des Zentrums für Kunst und Medien in Karlsruhe (ZKM) am Nerv der gesellschaftlichen Veränderung. Dass Weibel selbst, wie er betonte, bei solchen Lobesworten und Ehrerbietungen "Verdacht geschöpft" hat, scheint angesichts seiner Geschichte mit seinem Vaterland (geboren wurde Weibel im ukrainischen Odessa, wuchs aber im oberösterreichischen Ried auf) verständlich: "Schließlich hat man mich hier lange eher unter dem Blickwinkel von Exekutive und Psychiatrie betrachtet." (APA)
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