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Kunstberichte
Musa: Personale Lieselott Beschorner "Zwischen Abstraktion & Groteske"

Mutter der Dämonen

Surrealistin mit 
feministischen Akzenten: Lieselott Beschorner mit zwei der gestrickten 
"Puppas", um das Jahr 1982 fotografiert von Hansi Hubmer. 
Foto: MUSA/Hansi Hubmer

Surrealistin mit feministischen Akzenten: Lieselott Beschorner mit zwei der gestrickten "Puppas", um das Jahr 1982 fotografiert von Hansi Hubmer. Foto: MUSA/Hansi Hubmer

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Es gibt in Wien immer noch Wiederentdeckungen in der Kunst zu machen, vor allem unter den Künstlerinnen der Nachkriegszeit. Eine besonders eigenwillige Position besetzt dabei Lieselott Beschorner, die ihre "Werkfamilien" zu einem großen Teil an die Stadt Wien übergeben hat. Das Musa feiert sie mit seiner ersten Personale und Peter Baum bestätigt eine Verwandtschaft mit Louise Bourgeois, vor allem im Umgang mit weichen Skulpturen von unheimlicher Erscheinung. Surrealismus und feministische Akzente münden in eine sehr persönliche Interpretation von Pop-Art.

Die Serie der teilweise gestrickten "Puppas", die figürlich wie abstrakt ihren Fetischcharakter nicht verleugnen können, lassen neben Abstraktion und Groteske auch das große Interesse des 20. Jahrhunderts an Ethnografien spüren. Beschorner gibt nicht umsonst ihre besonders intensive Reisetätigkeit als Impetus für verschiedene Werkphasen an; ihr Beruf als Lehrende für Maskenbildnerei mag auch dazu beigetragen haben. Er machte die 1927 in Wien geborene Schülerin von Robin Christian Andersen und Albert Paris Gütersloh unabhängig von vorübergehenden Moden des Zeitgeschmacks.

Die subversive Technik der Collage taucht schon in den abstrakten Anfängen oder ihren "Schichtenbildern" auf, ihre Wendung zur österreichischen Variante der Pop-Art mit "Groteskerien" und "Emotionalien" ist besonders bemerkenswert. Außer in feministischen Collagen von Ingeborg Goeschl-Pluhar gibt es hier bislang nichts Vergleichbares.

Textile Stickbilder mit schwarzem Humor

Die Wendung zu textilen Stickbildern lässt den Hang zu einem besonders schwarzen Humor erkennen. Die weiblichen "Puppas", die nach abstrakten Gebilden aus Wachs oder Knöpfen entstanden, können durchaus als geradezu bissige Dämonen gelten. Das Thema der Inszenierung von Auge und Blick teilt die Künstlerin dabei mit Bourgeois und den Theoretikern des französischen Strukturalismus. Ihre männlichen, teils bunten Tonköpfe sind Mischwesen mit tierischen Anwandlungen. Mit Federn gespickt, verweisen sie wie die "Puppas" auf polynesische oder afrikanische Hausgeister.

Nachdem Beschorner 1951 bis 1966 als Mitglied der Sezession durchaus in der Wiener Kunstszene präsent war und bei der Kritik positiv aufgenommen wurde, zog sie sich ab 1970 zurück. Sie widmet sich bis heute Collagen, Spontanzeichnungen, aber auch Reliefbildern. Von ihrem Haus, das sie wie ein Museum der eigenen Sammlung barock inszeniert hat, wandern die 3000 Objekte langsam Richtung Musa; nur 120 davon konnten allerdings in der eher strengen Hängung präsentiert werden. Fotos aus ihrem Ambiente zeigen den Gegensatz – doch ist es eine erste wichtige Rückblende, die alle Facetten der Mitstudentin von Wolfgang Hutter, Arnulf Rainer oder Friedensreich Hundertwasser präsentiert. Sofern die Herren noch leben, gibt es nicht nur für sie in dieser Schau jedenfalls genug zum Wundern. Denn Außenseiterinnen sollten nicht unterschätzt werden.

Aufzählung Ausstellung

Zwischen Abstraktion und Groteske
Lieselott Beschorner
Berthold Ecker (Kurator)
bis 5. März
Musa Wien

 

Printausgabe vom Mittwoch, 02. Februar 2011
Online seit: Dienstag, 01. Februar 2011 16:53:00

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