Kupferstichkabinett der Akademie: Reiner Schiestl
Metamorphosen, Kopffüßler, Blechtrommel und Grotesken
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Das Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste
zeigt bis 2. November die Grafiken in vielen experimentellen Techiken des
1939 in Kufstein geborenen Absolventen des eigenen Hauses, Reiner
Schiestl. Einige Zyklen seines umfangreichen zeichnerischen und
druckgrafischen Werks zeigen eine Affinität zu Goya, zur Literatur, aber
auch die Ergebnisse von verschiedenen Reisen oder Wüsten- wie
Bergwanderungen, wobei die Serie von Radierungen aus New York in ihrem
Spiel zwischen Konstruktion und Zerfall aus den siebziger Jahren eine
ungeheure - wenn auch nicht gewollte - Aktualität erlangen. Sehr
aufrüttelnd neben den eher ruhigen Landschaften Spaniens, trotz der
vielschichtig experimentellen Technik und des kleinen Formats, sind die
Metamorphosen aus dem Tierreich "Morgensterns Zoo", die auch die humorvoll
kritische Note manches Mischformen hin zu menschlichen Charaktären
anklingen lässt. In diesem Zyklus wie seinen ständigen Aufnahmen von
Reiseeindrücken und seinen eigenwilligen Literaturillustrationen ist
Schiestl, der auch mit dem Aqurell zu einer Meisterschaft aufgestiegen
ist, dem grafischen Werk und der Auffassung von Herwig Zens nahe, was
neben dem Bildungsgrad auch an dem besonderen Umgang mit Metall und Nadel
etc.in der Radierung liegt. Konzepte für Bergbücher integrieren auch die
Schrift ins vielteilige Bildfeld.
Erschienen am: 26.10.2001 |
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