| Salzburger Nachrichten am 5. Oktober 2005 - Bereich: KI
Großer Österreichischer Staatspreis 2005 an Nitsch
Der Wiener Aktionskünstler Hermann Nitsch erhält den mit 30.000 Euro
dotierten Großen Österreichischen Staatspreis 2005. Dies teilte
Kunststaatssekretär Morak am Mittwoch mit. Der 67-jährige Nitsch sei "eine
zentrale Figur österreichischen zeitgenössischen Kunstschaffens, der in
seinem Werk grundlegende Fragen des Menschseins thematisiert", so Morak.
Der Große Österreichische Staatspreis ist die höchstrangige
Auszeichnung, die von der Republik Österreich einmal jährlich einem
Künstler für hervorragende Leistungen verliehen wird. Er wurde 1950 vom
damaligen Unterrichtsminister Felix Hurdes geschaffen und wird auf
Vorschlag des Österreichischen Kunstsenats ohne festgelegtes
Rotationsprinzip innerhalb der Sparten Literatur, Musik, bildende Kunst
und Architektur für ein künstlerisches Lebenswerk vergeben. Hermann Nitsch, am 29. August 1938 in Wien geboren, besuchte von 1953
bis 1958 die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und beschäftigte
sich bereits in seinen ersten malerischen Arbeiten mit religiösen Themen.
Seit 1957 verfolgt der Künstler konsequent die seine gesamte Arbeit
bestimmende Idee eines als Gesamtkunstwerk konzipierten Daseinsfestes -
das so genannte Orgien-Mysterien Theater (O.M. Theater). Nitschs Malaktionen und Aktionen ab Beginn der sechziger Jahre
markieren wesentliche Stationen des Wiener Aktionismus. Den
internationalen Durchbruch brachte 1966 eine Einladung für Nitsch, Günter
Brus und Otto Mühl nach London zum "Destruction in Art Symposion". Die
Aktion von Nitsch vor internationalem Publikum wurde von der Polizei
abgebrochen - ein Vorfall, der legendär wurde und Nitsch international
bekannt machte. Der bisherige Höhepunkt seines Schaffens, die Realisierung des
6-Tage-Spiels im Barockschloss Prinzendorf wurde von heftigen Anfeindungen
begleitet. Am 19. November gestaltet Nitsch im Wiener Burgtheater eine
weitere Aktion seines Orgien Mysterien Theaters. |