| Salzburger Nachrichten am 24. Oktober 2005 - Bereich: Kultur
Vom Digitalbild zum Tafelbild Ausstellung im Rupertinum
in Salzburg - Bildverarbeitung durch Künstler
Salzburg (SN-hkk). So, wie viele Schriftsteller sich wieder auf das
Erzählen von Geschichten einlassen, so ist in der Bildenden Kunst die
Malerei, ja, man könnte sagen das gute, alte Tafelbild wieder normal
geworden. Das Salzburger Museum der Moderne hat für seine
Winterausstellung im Rupertinum, die am Samstag eröffnet worden ist, bei
der Auswahl von gemalten Bildern ein raffiniertes Kriterium ausgewählt,
das dem Titel der Schau - "Vom bild//zum bild. metamorphose" - zu
entnehmen ist. Es gehe darum, wie Künstler alltägliche Bilder aus Computer, Internet,
Printmedien oder Werbeprospekten verarbeiteten, erläutert die Kuratorin
Margit Zuckriegl. Anders gefragt: Wie reagiere Malerei auf die Fülle von
Bildmedien, die uns Tag für Tag überflute? Margit Zuckriegl hat Werke acht in- und ausländischer Künstler
ausgewählt, die alt genug sind, um - wie sie in der Pressekonferenz am
Freitag erläuterte - "ein präsentables, abgerundetes Œuvre" zu
haben, doch jung genug, um mit Neuen Medien vertraut zu sein und als
"junge Malergeneration" zu gelten. Zu entdecken sind deren Ergebnisse der
Transformation eines technischen, digital hergestellten "Vor-Bildes" zu
einem malerischen Bild. Peter Zimmermann aus Deutschland zum Beispiel hat seine "Vor-Bilder" am
Computer mittels algorithmischer Verfahren - also einem Programm -
verändert und so abstrahiert. Die Ergebnisse hat er mit Kunstharz und
Pigmenten auf große Leinwände übertragen. Seine "Nach-Bilder" sind von
ungewöhnlicher Farbkraft. Obgleich keine Gegenstände zu erkennen sind,
verführen sie zum langen Betrachten. Bernhard Martin schafft Bilder, die aussehen wie riesige Collagen, und
trotzdem gemalt sind. Er stellt, setzt oder hängt Menschen wie
ausgeschnittene Figuren aus Illustrierte in bunte, fantastische Räume.
Dass es unter den jungen Künstlern klassische Romantiker gibt, ist an
den Bildern von Martin Schnur zu erkennen. Er zeigt im Vordergrund
Menschen, die innehalten, schlafen oder regungslos auf dem Boden liegen,
dahinter sind paradiesähnliche Naturbilder wie Wald, Meer oder Himmel, in
die sie sich vielleicht sehnen, an die sie denken, von denen sie herkommen
oder die bloß das Gegenteil des Ortes sind, an dem sie sich soeben
aufhalten. Zu dieser jungen Kunst werden im ersten Stock des Rupertinums
Prachtstücke aus der Sammlung gezeigt, allerdings sind daraus Werke jener
Künstler ausgewählt, die besonders um die Technik der Bildfindung gerungen
haben. Bis 19. Februar 2006. Informationen: www.museumdermoderne.at |