| diepresse.com | ||
| zurück | drucken | ||
|
| ||
| 17.11.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Malerei, auf dem Rechner generiert | ||
| VON JOHANNA HOFLEITNER | ||
| Schau in Graz. Die Neue Galerie hat "Postmediale Kondition" spannend gestaltet. | ||
|
B Referenzen und Selbstreferenzen, wie sie Barbara Caspar -
die 26-Jährige ist eine der jüngsten Teilnehmerinnen - ins Spiel bringt,
sind ein Leitmotiv der Schau "Postmediale Kondition". Mit 41 Positionen
von Künstlerinnen und Künstlern, die ihre Prägung hauptsächlich in
Österreich erfahren haben, tritt die Schau auch als Manifest einer
bestimmten künstlerischen Haltung und Szene an. Zwar sind bei sämtlichen
gezeigten Arbeiten klassische Malerei, Zeichnung, Skulptur, fallweise auch
Musik künstlerische Grundlage und Ausgangsbasis. Das Wissen um die Medien
ist aber ihre Kondition, Bedingung. Was die Werke allesamt kennzeichnet,
ist der Mix, die Überschneidung, die Übertretung - als Schritt über die
Grenzen des Mediums hinaus. "Im Unterschied zu den Künstlergenerationen, die in den 1920ern und 1960ern um die Anerkennung der neuen Kunstformen Fotografie respektive Video kämpften, ist für die Künstler heute der Umgang mit nicht-klassischen Medien und Materialien eine Selbstverständlichkeit. Jetzt geht es vor allem um die Gleichberechtigung der Medien", sagt Peter Weibel. Der frühere Leiter und jetzige Chefkurator der Neuen Galerie, der seit Jahrzehnten sowohl als Medienkünstler wie auch -theoretiker an vorderster Front kämpft, stand den Ausstellungskuratorinnen Christa Steinle und Elisabeth Fiedler als wissenschaftlicher Beirat zur Seite. Malerei reflektiert also Malerei - so gesehen bei Markus Huemer, der mit seiner Beamer-Installation "Polkes höhere Wesen befahlen . . . (unvollendet)" den wohl letzten wahren Malerfürsten Deutschlands persifliert. Malerei reflektiert aber auch Computerspiele, TV-Bilder, Medientrash - wie bei Alois Mosbacher, Katrin Plavcak oder Johanna Kandl, die mit ihren realistischen Tafelbildern im Gesamtzusammenhang der Schau fast schon "konventionell" wirken. Computerbilder werden als Kommunikationszeugnisse transformiert zur Rauminstallation, bei der neben dem Konzept der Blackbox auch das des gemalten Tafelbildes eine zentrale Rolle spielt (Sigrid Kurz/Karl-Heinz Klopf). Malerei wiederum wird mittels Großrechner generiert (Peter Kogler). Und Flötenspiel vorgeschoben, um Genialität mithilfe einer Video-Performance im Klavierstockerl verschwinden zu lassen (Julean Simon). Skulpturen geben Masse und Materialität zugunsten von Licht und Zeichencodes auf (Brigitte Kowanz, Ruth Schnell, Simon Wachsmuth). Die Schau tritt gegen jene bequeme Eindimensionalität an,
die das System Kunstmarkt so gerne hat. Zwar ist es manchen trotzdem
gelungen, das mediale Cross-Over zum Erfolgsrezept zu entwickeln.
Künstler, die sich in den 80ern etabliert haben, Peter Kogler oder Erwin
Wurm, sind zu nennen. Auch manche Plattitüde ist hineingerutscht:
"Western", ein vergnügliches Video, das von Hans Schabus' Kanalfahrt auf
den Spuren des Dritten Mannes erzählt, hat mit "postmedialer Kondition"
ebenso wenig zu tun wie Markus Schinwalds zu oft gezeigter Dreiminüter
"Kinderkreuzzug". Die Mehrheit der ausgestellten Künstler widersetzt sich
allerdings der Zuordnung. Das macht es spannend. Es gibt - nicht zuletzt
dank Manfred Wolf-Plotteggs klug strukturierender Ausstellungsarchitektur
- viel Raum für Entdeckungen. Emanuel Andel und Christian Gützer, die hier
erstmals unterm Label "5voltcore" auftreten, zählen dazu, mit der Skulptur
"Shotbot ,Corejulio'": Auf einen alten 486er-Rechner ist ein aus
Elektronikschrott gebauter Roboter aufgesetzt, der die simplen
Programmabläufe mit Hilfe eines Metall-Pinsels dem Kurzschluss zuführt.
Die Störungen generieren zufallsabhängig Digitalbilder, die nur mit Hilfe
analoger Fotografie festgehalten werden können. Die alten Medien erhalten
die neuen am Leben. |
||
| © diepresse.com | Wien | ||