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Tief in die Schichten unseres Alltags gegraben
Bis 14.1. 2007 wird das Künstlerpaar Johanna und Helmut Kandl im Lentos präsentiert. Gezeigt werden sowohl autonome als auch koordinierte und gemeinsame Arbeiten.

"Kämpfer, Träumer & Co." heißt hier ihre Auseinandersetzung mit der Welt. Mit Ländern und Regionen, Geschichte, Politik und Wirtschaft und vor allem mit anderen Menschen. Interessanterweise sind die dafür genutzten geographischen Orte nicht Zentren mit optischer Unverwechselbarkeit, sondern der städtische Rand, die Peripherie.

Dabei dominieren die ex-kommunistischen Länder. Vor allem dort findet nämlich das Künstlerpaar schnappschussartige Fotomotive, die oft grafisch weiterverarbeitet werden. Abgebildet werden komplexe, gesellschaftliche Strukturen einer uns erstaunlich fremden Welt im Wandel. Diese Zugänge können Auslöser einer Aktion und eines visuellen Konzepts werden. Johanna Kandl verwendet die medial vorformulierten Bilder auch als Vorlage ihrer oft plakativen und zugleich detailreichen Malereien in (vor allem) Eitemperatechnik.

Die Komplexität dieser Gemälde wird durch integrierte, große Textblöcke verstärkt. Die Vielfalt der Details der gedämpft bunten Bilder wird mit diesen Zitaten vehement kontrastiert oder subtil ergänzt, bisweilen ironisch gebrochen.

Erinnerungsfetisch

Beim Kaufen fotografierte Alltagsgegenstände sind gleichsam Erinnerungsfetische des Kaufakts. Ihr Charakter wird in den Ausstellungsräumen in großflächigen Installationen mit den realen Kaufobjekten selbst neu gedeutet. Ein poetisches Verwirrspiel ist die an/in einem Container gezeigte Arbeit "Fritzelacke" aus der Serie "Konstruierte Biografien" und ein Video der besonderen Art: "Goldegg, 24. 06.2005."

Erinnerungsfetisch

Der Schulchor des Gymnasiums St. Johann präsentiert in alpiner Tracht im Schlosspark von Goldegg das DDR-Studentenlied "Comandante Che Guevara." - ein Konzept von absurder Metaphernvielfalt.

Besonders hervorzuheben ist das Gestaltungskonzept dieser Ausstellung. Erst dieses Inszenieren in spannungsreichen Sinnzusammenhängen gibt den Besuchern die Chance, sich in die doch ziemlich sperrige Materie einzufühlen und diese Auseinandersetzung auch als bereichernd zu empfinden.

Die Annäherung an diese facettenreiche Bilder- und Ideenwelt unterstützt auch ein umfassender Katalog. 

OÖnachrichten vom 14.11.2006
 
   



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