Licht und Schatten im Biedermeier
Ferdinand Georg Waldmüller. Das Belvedere präsentiert den Star des Biedermeier.
Ernst P. Strobl Wien (SN). Auf diversen Kunst- und Antiquitätenmessen taucht mitunter ein Bild von Ferdinand Georg Waldmüller auf und ist zumeist das teuerste Exponat des Angebots, also im Millionen-Euro-Bereich. Rund 1200 Werke hat der Künstler hinterlassen, allein über siebzig sind in der Sammlung des Belvedere in Wien beheimatet. Überraschende Erkenntnis: Das Belvedere hat deshalb so viele „Waldmüllers“, weil die Secessionisten wie Gustav Klimt, Kolo Moser und Carl Moll insgesamt 39 Werke von jenem Künstler angekauft haben, den die damalige Moderne als „Ur-Secessionisten“ verehrte.
Nun richtet Direktorin Agnes Husslein im Unteren Belvedere bis 11. Oktober eine mit 115 Werken üppig bestückte Schau aus, die erste seit 1993. Im Frühjahr waren zahlreiche Waldmüller-Bilder im Rahmen einer Porträt-Ausstellung im Pariser Louvre zu sehen, und dennoch habe Waldmüller international nicht „den Stellenwert, den er verdient“, wie Agnes Husslein in der Presseführung am Montag feststellte. Kuratorin Sabine Grabner hat mit zahlreichen Leihgaben eine anschauliche Ausstellung erarbeitet mit der kämpferischen These: „Waldmüller war kein Biedermeier-Maler.“ Grabner will mit der Bilder-Auswahl bezwecken, dass man sich Zeit lässt und die biedermeierlichen Werke ohne das hemmende Klischee des Idyllischen oder Herzigen „neu“ betrachtet.
Ferdinand Georg Waldmüller (1793–1865) war ein meisterlicher Maler, detailverliebt und souverän in der Wirkung des Lichts. Spätestens nach mehreren Italienreisen änderte er „Beleuchtung“ und später auch die Perspektiven, was ihn in den Augen der Zeitgenossen zum „Tollhäusler“ machte. Um die glänzende, fast grelle Farbe zu erhalten, müsse man im Sonnenlicht arbeiten, sagte damals der alternde Künstler.
Seine Porträts – ihnen ist der erste Raum der Schau gewidmet – waren bis ins Detail präzise. Später fand Waldmüller seine Motive außerhalb der Stadt, im Bauernstand mit seinen Festen, Freuden und Nöten. Wallfahrten, Heimkehr von der Ernte oder spielende Kinder stehen auf der einen Seite. Vor allem mit den Schattenseiten des ärmlichen Daseins bezaubert er auch heute. „Die Delogierung“ oder „Der Notverkauf“ macht betroffen, „Die erschöpfte Kraft“, das Bild einer vor dem Kinderbett darniedergesunkenen Mutter, gilt als das trostloseste Gemälde des 19. Jahrhunderts.
Allerdings gibt es auch künstlerische Seiten an Waldmüllers Werk, die ein wenig irritieren. So finden sich etwa vom Motiv „Mutterglück“ gleich drei Bilder nebeneinander. Das durchaus dem Kitsch zuzurechnende Bild musste Waldmüller wegen großer Nachfrage gleich zehn Mal kopieren. Bei anderen Bildern ist die Inszenierung der Personengruppen – da stapelte der Maler alle zu einem „dramatischen“ Dreieck – ein wenig zu vordergründig und plakativ.
Im rastlosen Erforschen neuer Möglichkeiten und flexibler Techniken bis ins hohe Alter vergleicht Sabine Grabner Waldmüller mit Tizian. Bis an sein Lebensende zog er in die freie Natur, malte prachtvolle Landschaften und Ansichten einer Lebenswelt, in der Natur und Mensch in Harmonie vereint sind. Zuletzt konnte er eine weit über das Habsburgerreich hinausgehende Popularität genießen, wozu Kalenderbilder und Illustrationen beitrugen. Ob bei Blumenstillleben, Porträts, Landschaften oder Genreszenen, es gelang Ferdinand Georg Waldmüller jeweils, Meisterwerke beizutragen.
Kommen heutzutage Waldmüllers auf den Markt, kann Agnes Husslein mangels Ankaufsbudget nur zusehen, wie die Werke in private Sammlungen wandern.Internet: www.belvedere.at




















