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23.06.2002 20:09 MEZ |
Des Kunstsinns fette Beute
Galerie Halle Steinek in Wien bringt Auswahl aus 15.000
Trenkler-Schnappschüssen
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Tipp
Galerie Halle Steinek, Wien 9, Pramergasse 6 "Thomas Trenklers Tagebuch" ist bis 6.7. jeweils Di und Do 10-12 und 14-16 Uhr, Sa 14-17 zu besichtigen. ![]() |
Um 1997 waren meine Haare noch lang und auch irgendwie
unnatürlich blond. Mit voller Absicht habe ich diesen schrecklichen Irrtum
dem Vergessen anheim fallen lassen. Das wäre beinahe auch geglückt. Nicht
nur Dritte verbanden mit mir nichts schütter Wallendes mehr, auch ich
selbst wähnte mich immer schon kahl gewesen. Einzig Kollege Thomas
Trenkler weigerte sich, die Gnade des Vergessens walten zu lassen. Vor
dem kann man ständig auf der Hut sein, und es hilft trotzdem nichts:
Irgendwann stellt der jeden. Und dann steht man eben in allen denkbaren
unmöglichen Situationen da wie das Kaninchen vor der Schlange, und der
packt seinen Fotoapparat aus und drückt unbarmherzig ab. Er nennt diese
Vernichtung von Aura "Tagebuch". Hunderte Wiener und Grazer Kunstseelen
sind darin gefangen. Ausgewählte Damen (eine gewisse Elisabeth!) aber auch
die Kollegen Ronald Pohl und Peter Vujica finden sich gleich mehrfach
gebannt.
Die halbe österreichische Literatur, der Glück, der Kolleritsch, der Gstrein: festgehalten! Die Galeristen Hilger, Steinek und Winter: gestellt! Richard Kriesche, Peter Oswald, Gerard Mortier: eiskalt geblitzt! Selbst André Heller: auf immer verwunschen! Silvia Steinek nun dachte, sie könnte den Fluch brechen, das Trenklersche Archiv veröffentlichen, derart sich selbst und all die anderen armen Seelen gleich mit erlösen. Nichts dergleichen geschah. Eine ganze Galerie, voll mit Beute von Trenklers Zügen durch die kulturgeschwängerten Nächte unterm Uhr- oder Leseturm, half nichts. Viele waren gekommen, ihre Geschichte wieder an sich zu reißen, allein der Trenkler hielt ihnen nur Reproduktionen vor. Die originalen 15.000 Aura-Urnen lagern hermetisch abgeschlossen in einem aufgelassenen Stollen im Erzberg. (mm/DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2002) |