Ein kritischer Blick auf die Arbeit von Frauen heute
Arbeiterkammer Wien: Arbeiten von Lisl Ponger
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Lisl Ponger war österreichische Beiträgerin auf der jüngsten
documenta. Sie ist als Filmemacherin und Fotografin mit wichtigen Arbeiten
wie "Fremdes Wien" aufgefallen, vor allem durch ihre politischen
Stellungnahmen, ihr Hinausgehen in den öffentlichen Raum, kontextuelle
Bezüge und ironische Provokation in öft spöttisch anmutenden
Inszenierungen, denen sie aber auch Leere und Abwesenheit von Menschen als
ernsten Faktor gegenüberstellt. Gemeinsam mit museum in progress
präsentiert die Arbeiterkammer nun noch bis Ende November - nach Johanna
Kandl, Herwig Kempinger u. a. - eine Arbeit von Lisl Ponger zum Thema "Die
große Schere. Frauen fallen bei Gehältern weit zurück". Mit dem Thema
Frauenarbeit wird auf den großen Plakatwänden vor dem Haus in der
Prinz-Eugen-Straße sehr aktuell angesprochen, dass gleiche Arbeitsleistung
heute noch lange nicht gleichen Lohn bedeutet: Die Künstlerin geht mit
ihren wenigen Aufschriften auf an einer Wäscheleine hängenden
Kleidungsstücken sogar so weit, sarkastisch zu behaupten, "wenn diese
Entwicklung anhält, werden Männer bald doppelt so viel verdienen wie
Frauen". Dazu ist auf spezifisch weiblich zuordenbaren Berufskleidungen
von Hausfrauen, Stewardessen, Krankenschwestern und Putzfrauen als
Gegenreaktion von "We can do it" und "TschuschInnenPower" die Rede und
auch die farbbespritzte Hose einer Malerin, eine SchlosserInnenjacke sowie
das Outfit einer barbiepuppenhaften "Tussi" tauchen auf. Resignation über
Nichterreichbares ist mit "burned out"- und "billig"-Aufschriften ebenso
zu spüren wie die Hoffnung auf Gleichbehandlung in zukünftiger Entlohnung.
Wieder setzt Lisl Ponger wie z. B. bei ihrer Fotoserie zum jüdischen
Wien die Strategie der Abwesenheit (der realen Frauen) ein und
argumentiert mit dem Beiläufigen über gesellschaftliche Irrwege. Die
inszenierte Fotografie mit der blauen (keine Farbe ist Zufall) Wäscheleine
vor grober Mauer ist aus Stücken ihres legendären Archivs gespeist, das
die Künstlerin auf ihren Reisen, Stadtspaziergängen und politischen wie
sozialen Recherchen erstellt. Sie konstruiert aus den gesammelten Büchern,
Objekten, hier Kleidern und Fotos, ihr "chaotisches" System, ihre Zeichen,
die uns auf Missstände aufmerksam machen: Die Abwesenheit der Frauen ist
auch Hinweis auf ihre wirtschaftliche Marginalisierung. Damit verbindet
sich die ästhetische Leistung sehr subtil mit einem politischen
Aktivismus, der wesentlich bleibt.
Erschienen am: 07.11.2002 |
. |

Aus der Heimat der Bräune
Ein kritischer Blick auf die Arbeit von Frauen heute
Sigmund- Freud- Museum: Installation von Joseph Kosuth
MuMok: Hommage an Antonin Artaud
Tanz muss etwas Lebendiges sein
Der neue "Kunstkompass" wurde vorgestellt:








|
. |