10.01.2003 14:00
Österreich schickt Bruno Gironcoli nach
Venedig
Offizielle Bekanntgabe des
Biennale-Vertreters erfolgt am Mittwoch
Wien - Der Bildhauer Bruno Gironcoli (66) wird
Österreich auf der Biennale Venedig 2003 vertreten. Diese Entscheidung des
Österreich-Kommissärs der Biennale, Kasper König, wird Kunststaatssekretär Franz
Morak am kommenden Mittwoch gemeinsam mit König bekannt geben. Die
Pressekonferenz wird dort abgehalten, wo Gironcoli in den vergangenen Jahren
seine riesigen Skulpturen geschaffen und gelagert hat, im Bildhaueratelier der
Akademie der Bildenden Künste im Wiener Prater (11 Uhr). Das Budget für den
Österreich-Beitrag beträgt 300.000
Euro.
Biographisches
Bruno Gironcoli, 1936 in Villach
geboren, gilt als großer Einzelgänger, der ein komplexes und auch irritierendes
Werk mit unverwechselbaren symbolhaften Formen und Chiffren geschaffen hat. Sein
Werk und seine engagierte Tätigkeit als Leiter der Meisterschule für Bildhauerei
der Akademie der bildenden Künste in Wien, der er seit 1977 als Nachfolger von
Fritz Wotruba vorsteht, hatten großen Einfluss auf mehrere Künstlergenerationen.
Gironcoli wuchs in Kärnten und Tirol auf. 1951 nahm er in Innsbruck eine
Goldschmiedelehre auf und begann nach der Gesellenprüfung seine künstlerische
Ausbildung. Von 1957 bis 1959 sowie 1961 und 1962 studierte er an der Akademie
für angewandte Kunst in Wien, anschließend hielt er sich in Paris auf, wo er in
der Arbeit von Alberto Giacometti den wichtigsten künstlerischen Impuls für sich
entdeckte.
In den sechziger Jahren beschäftigte sich Gironcoli mit
Objekten aus Holz, Nylon, Eisen, Aluminium, Glas-Pech und Draht. Monsignore Otto
Mauer präsentierte 1968 seine Arbeiten erstmals in einer Einzelausstellung in
der Galerie nächst St. Stephan. In den siebziger Jahren schuf er
Objektarrangements, aus Gegenständen des täglichen Lebens wie Putzutensilien,
Schuhe, Besteck, Steckdosen, die sich mehr und mehr zu bedrohlichen
Maschinenparks auswuchsen und sadomasochistische Ängste freilegten. Später
verdichteten sich die Rauminstallationen zu geheimnisvollen Assemblage-artigen
Skulpturen, zu riesenhaften organischen Skulptur-Agglomeraten aus Eisen, Holz
und Kunststoff in Gold-, Silber- oder Kupferfarben. Sie lassen an organische
Maschinen denken, rituelle Streitwagen, an Altäre eines
Mutterkultes.
Ausstellungen als logistisches
Problem
Gironcoli, der 1993 mit dem Großen Österreichischen
Staatspreis ausgezeichnet wurde, hat sich an zahlreichen Ausstellungen
beteiligt, seine Arbeiten wurden u.a. in Bochum, Köln, Mailand, Bozen,
Edinburgh, Leverkusen, Basel, Genf, Paris, Bologna, Frankfurt, Kassel oder
Budapest gezeigt. Große Einzelausstellungen sind eher rar, weil dies angesichts
der Größe seiner Objekte auch eine komplizierte Logistik voraussetzt. Für eine
Ausstellung in Budapest musste ein Teil der Mauern ausgebrochen werden, um eine
Gironcoli-Skulptur überhaupt ins Museum zu bringen. Die Anlieferung von 16
Skulpturen nur innerhalb Wiens für die Ausstellung "Die Ungeborenen" 1997 im
Museum für angewandte Kunst (MAK) konnte nur über 14 Nächte hinweg in
Spezialtransportern erfolgen. Mit der geplanten Errichtung eines
Gironcoli-Museums in einer ehemaligen Erzaufbereitungshalle in Bad Bleiberg
schien eine dauerhafte Lösung für den Verbleib seiner Werke gefunden, doch
rechtliche Unklarheiten über die Betreiber-Konstruktion verzögerten bisher das
Projekt.
Die Kunst-Biennale Venedig ist von 15. Juni bis 2. November 2003
für das Publikum geöffnet. Direktor Francesco Bonami gab "Träume und Konflikte -
Die Diktatur des Betrachters" als Thema vor. Kuratorin des Österreich-Beitrages
der Biennale 2001 war Elisabeth Schweeger. Sie entsandte die Gruppen Granular
Synthesis und Gelatin in die Lagunenstadt.(APA)