| Salzburger Nachrichten am 18. März 2005 - Bereich: kultur
"Viva Mexico!" Ausstellungen in der
Sammlung Essl und in der Kunsthalle Leoben zeigen in den nächsten Monaten
Aspekte von Kunst aus Mexiko.
HUBERTUS SEIDLWIEN (SN). Kunst aus Mexiko hat unverändert den Reiz des
Exotischen. Diesem hat sich die Sammlung Essl in ihrer jüngsten
Ausstellung in ihrem Museum in Klosterneuburg ausgesetzt, die der
mexikanischen Kunst des 20. Jahrhunderts gewidmet ist und am
Donnerstagabend eröffnet wurde. Die Kunsthalle Leoben zeigt ab morgen,
Samstag, Kunst aus Mexiko. Bei "mexikanischer Moderne" fallen sofort die Namen ihrer
prominentesten Exponenten: Frida Kahlo und Diego Rivera, das schillernde
Künstlerpaar. Die beiden sind die Hauptvertreter der so genannten
"Muralismo-Bewegung" der 1920er und 30er Jahre, die ihren Ursprung in der
mexikanischen Revolution hat. Die Künstler dieser Bewegung zeigten ihr
politisches und soziales Engagement in überdimensionalen Wandgemälden an
wichtigen Gebäuden. Die Entwicklung der mexikanischen Kunst des 20. Jahrhunderts abseits
des "Muralismo" ist jedoch weniger bekannt. Die Essl-Schau gibt
Gelegenheit, sie kennen zu lernen: Außer den Arbeiten des Künstlerpaars
Kahlo-Rivera sind Werke von José Clemente Orozco, José David Alfaro
Siqueiros oder - für eine spätere Generation - José Luis Cuevas zu sehen.
Die 62 Exponate sind Leihgaben des Museo de Arte Moderno in Mexiko-Stadt
und erstmals in Europa zu bewundern. Das berühmte Bild "die zwei Fridas" von Frida Kahlo ist der Blickfang
der Ausstellung. Das Gemälde, das kurz nach der Scheidung von Rivera
entstand, zeugt von ihrer inneren Zerrissenheit, von gespaltener
Identität. Es ist ein Ausdruck dessen, dass Kahlo an den Folgen eines
Verkehrsunfalles ihr Leben lang schwerst zu leiden hatte. In den 1950er Jahren entstand in Mexiko eine neue Künstlergeneration,
die auch vom amerikanischen abstrakten Expressionismus beeinflusst war.
Hierfür stehen die Lithografien und Stiche von Cuevas; sie zeigen die
seelische Not von Menschen, ohne den "propagandistischen Charakter"
(Cuevas in einem Manifest) des "Muralismo". Essl zeigt auch Arbeiten des Malers Peter Sengl, der eine Werkgruppe zu
Frida Kahlo geschaffen hat. Die Ausstellung in der Kunsthalle in Leoben widmet sich der
ethnologischen Geschichte Mexikos - hier repräsentieren Plastiken,
Tonskulpturen oder Objekte aus Gold einen Zeitraum von 3000 Jahren
mesoamerikanischer Kulturgeschichte.Sammlung Essl: Bis 12. 6., Di. bis So.
10 bis 19 Uhr, Mi. bis 21 Uhr. Kunsthalle Leoben: 19. 3. bis 18. 9., tägl.
9 bis 18 Uhr. |