VN Do, 15.5.2003

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Energie, in Form gebracht

Das MAK präsentiert das radikale Architekturuniversum von Zaha Hadid

Wien (VN-SJ)"Ice-Storm", ein eigens für die Ausstellung "Zaha Hadid. Architektur" entwickeltes Raumobjekt von riesenhaften Ausmaßen, steht im Zentrum der groß angelegten Werkschau über eine der außergewöhnlichsten Querdenkerinnen der zeitgenössischen Architektur.

Ihre Arbeit ist derzeit im Österreichischen Museum für angewandte Kunst in Wien zu sehen. In der 300 Quadratmeter großen, acht Tonnen schweren und sieben Meter hohen Wohnlandschaft verdichtet die aus dem Irak stammende, in Großbritannien lebende Zahid ihr über 25-jähriges Schaffen zu einer radikalen, dynamisch-fließenden Raum-Collage. Das "gebaute Manifest" in verschiedenen Grautönen, das mit seinen unerwarteten Durchblicken, begehbaren Rampen, wie Eiszapfen herabhängenden Elementen an einen schmelzenden Eisberg oder eine erstarrte Tsunami-Welle denken lässt, integriert dabei eine Reihe früherer Möbelentwürfe und Installationen und macht Zahids radikal neue Formen- und Raumsprache für die Ausstellungsbesucher erfass- und erfahrbar.

Mit Obsession

Doch auch die in den angrenzenden Räumen dicht präsentierten Projekte, viele davon trotz zahlreicher erster Wettbewerbspreise unrealisiert, geben einen beeindruckenden Einblick in Hadids außergewöhnliche Arbeitsenergie und ihre Obsession, neue Räume zu schaffen. Erstmals in dieser Dichte gezeigt werden etwa Zahids "Major Paintings", eine Reihe mittel- und großformatiger Acrylgemälde, die nicht als "konkrete Repräsentation von Architektur" zu verstehen sind, sondern mittels "multiperspektivischer Projektion" die Stimmung des jeweiligen Projekts widerspiegeln.

Als besonders positiver Aspekt der Ausstellung ist die Art der Präsentation hervorzuheben: aufgrund von Hadids Ansatz, ihre Projekte in den verschiedenen Entwicklungsstufen in jeweils unterschiedlichen Darstellungsformen zu visualisieren, ist neben einer außergewöhnlichen Fülle sorgfältig ausgearbeiteter Modelle aus unterschiedlichsten Materialien auch eine große Anzahl von Skizzen, Renderings, Videos, Fotografien sowie aus Karton gebaute Schnitt- und Reliefmodelle von großer Perfektion entstanden.

Im Fokus stehen vor allem schon realisierte Bauten, etwa das mittlerweile legendäre Vitra-Feuerwehrhaus in Weil am Rhein von 1993 oder Hadids bisher einziges in Österreich verwirklichtes Projekt, die elegant-dynamische Bergisel-Sprungschanze in Innsbruck, aber auch im Bau befindliche Arbeiten wie das utopisch anmutende Science Center Wolfsburg und das Contemporary Arts Center in Cincinnati, das demnächst eröffnet wird.

Bis 17. August im MAK, Stubenring 5. Begleitend ist eine umfangreiche Publikation bei Hatje Cantz erschienen.

Ultimative Verdichtung des radikal-architektonischen Ansatzes von Zaha Hadid. (Foto: MAK)




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