Wien (VN-SJ)"Ice-Storm", ein eigens für die Ausstellung "Zaha
Hadid. Architektur" entwickeltes Raumobjekt von riesenhaften
Ausmaßen, steht im Zentrum der groß angelegten Werkschau über eine
der außergewöhnlichsten Querdenkerinnen der zeitgenössischen
Architektur.
Ihre Arbeit ist derzeit im Österreichischen Museum für angewandte
Kunst in Wien zu sehen. In der 300 Quadratmeter großen, acht Tonnen
schweren und sieben Meter hohen Wohnlandschaft verdichtet die aus
dem Irak stammende, in Großbritannien lebende Zahid ihr über
25-jähriges Schaffen zu einer radikalen, dynamisch-fließenden
Raum-Collage. Das "gebaute Manifest" in verschiedenen Grautönen, das
mit seinen unerwarteten Durchblicken, begehbaren Rampen, wie
Eiszapfen herabhängenden Elementen an einen schmelzenden Eisberg
oder eine erstarrte Tsunami-Welle denken lässt, integriert dabei
eine Reihe früherer Möbelentwürfe und Installationen und macht
Zahids radikal neue Formen- und Raumsprache für die
Ausstellungsbesucher erfass- und erfahrbar.
Mit Obsession
Doch auch die in den angrenzenden Räumen dicht präsentierten
Projekte, viele davon trotz zahlreicher erster Wettbewerbspreise
unrealisiert, geben einen beeindruckenden Einblick in Hadids
außergewöhnliche Arbeitsenergie und ihre Obsession, neue Räume zu
schaffen. Erstmals in dieser Dichte gezeigt werden etwa Zahids
"Major Paintings", eine Reihe mittel- und großformatiger
Acrylgemälde, die nicht als "konkrete Repräsentation von
Architektur" zu verstehen sind, sondern mittels
"multiperspektivischer Projektion" die Stimmung des jeweiligen
Projekts widerspiegeln.
Als besonders positiver Aspekt der Ausstellung ist die Art der
Präsentation hervorzuheben: aufgrund von Hadids Ansatz, ihre
Projekte in den verschiedenen Entwicklungsstufen in jeweils
unterschiedlichen Darstellungsformen zu visualisieren, ist neben
einer außergewöhnlichen Fülle sorgfältig ausgearbeiteter Modelle aus
unterschiedlichsten Materialien auch eine große Anzahl von Skizzen,
Renderings, Videos, Fotografien sowie aus Karton gebaute Schnitt-
und Reliefmodelle von großer Perfektion entstanden.
Im Fokus stehen vor allem schon realisierte Bauten, etwa das
mittlerweile legendäre Vitra-Feuerwehrhaus in Weil am Rhein von 1993
oder Hadids bisher einziges in Österreich verwirklichtes Projekt,
die elegant-dynamische Bergisel-Sprungschanze in Innsbruck, aber
auch im Bau befindliche Arbeiten wie das utopisch anmutende Science
Center Wolfsburg und das Contemporary Arts Center in Cincinnati, das
demnächst eröffnet wird.