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Hauptausgabe vom 09.07.2003 - Seite 006
Feine Kontrapunkte

VON IRENE JUDMAYER

Hier transparent formulierte Masse, dort digital aufgetragene Lichtsimulation: Ausgesprochen reizvoll und spannend ist die Präsentation zweier völlig unterschiedlich arbeitender Künstler, die in der Gmundner Galerie 422 bis 3. August präsentiert werden.

Von "Erklimmen der Leinwand" ist bei Herbert Brandl die Rede, was auf seine grundlegende Thematik verweist. Der in Wien lebende Künstler beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Berglandschaften. Breite, durch den wässrigen Untergrund ausufernde Pinselstriche definieren die Fels-Riesen. Manchmal wirken sie locker aus dem Handgelenk hingefetzt, manchmal bewusst zart über das Papier gezogen.

Die so besondere, fedrige Transparenz des Aquarells ergibt einen sehr fein überlegten Kontrapunkt zum statischen Volumen der Kolosse. Dieses spezifische Bildvokabular vermittelt zudem auch einen feinen, ironischen Blick auf eine oft mehr als romantisch aufgeladene Atmosphäre von gemalten Naturereignissen.

Gegenüber stehen den Arbeiten Brandls eigenartige Farbwürmer, die manchmal durch subtil ausformulierte Farbkontraste wie grelle Neonröhren wirken. Grelle Neonröhren, die über einfärbige Hintergründe dahingleiten. Wie seltsame Reflexe auf Wasseroberflächen vielleicht, wie Lichtblitze aus fernen Galaxien. Der Steirer Rudi Molacek hat sie mit einer digitalen Airbrush-Technik gemalt. Schafft trotz der schlichten plakativen Gestaltung mitunter eine beachtliche Verschiebung der Dimensionen. Die Farbwürmer erobern den Raum. Als Betrachter blickt man in ein irritierendes illusionistisches Davor, Dahinter, Darüber.

Jedenfalls: Eine spannende Aufgabe für das Auge ist dieses Pendeln zwischen den Bildräumen der beiden Künstler.

Galerie 422/Gmunden: Info.Tel. 07612/62668-0


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