Vor gut einem halben Jahr eröffnet, entwickelt
sich der Kunstraum Pettneu zum kulturellen
Treffpunkt im Stanzertal.
Artikeltext: Die Beweggründe, in einem kleinen
Ort wie Pettneu eine Galerie einzurichten, liegen
auf der Hand: Vermittlung von Kunst und über die
Kunst ins Gespräch kommen. In Pettneu war der
Anlass, eine Galerie einzurichten, gelinde gesagt
ein kurioser.
Da wurde der Gemeinde Pettneu
ein Bild eines bedeutenden Vertreters der Gruppe
der so genannten Bergsteigermaler der zweiten
Generation, ein Werk von Ernst Platz, zum Kauf
angeboten. Der aus München stammende Künstler, vor
allem bekannt durch seine Darstellung dramatischer
alpiner Geschehnisse, hielt sich im ersten Drittel
des 20. Jahrhunderts mit Vorliebe in der
Arlbergregion auf. Das vom bäuerlichen Leben
bestimmte Pettneu verewigte Platz in zahlreichen
Werken. Die Gemeinde kaufte das ihr angebotene
Werk, das Pettneu vor imposanter Bergkulisse
zeigt.
Gleichzeitig machte man sich aber
auch auf die Suche nach entsprechenden
Räumlichkeiten, um das Werk der Öffentlichkeit
präsentieren zu können. Der Keller des Widums
schien dem Gemeinderat der ideale Ort für die
Einrichtung einer Galerie.
Mit der Planung
wurde der Innsbrucker Architekt Reinhardt Honold
beauftragt, der aus den ursprünglich beengten
Räumlichkeiten ein Raumgefüge schuf, das die
Konzentration auf das Wesentliche fördert. In
Fragen der konkreten Umsetzung der Intentionen
setzte Honold auf konsequente Ruhe und
Zurückhaltung.
Dass sich der mit einer
Sonderausstellung "Ernst Platz" im Vorjahr
eröffnete Kunstraum zum lebendigen kulturellen
Zentrum entwickelte, liegt an Oswald Perktold. Der
Pädagoge, Literat, Kolumnist und jetzt auch
Galerist, war die treibende Kraft hinter dem
Kunstraum-Projekt und zeichnet für das Programm
der kulturellen Einrichtung
verantwortlich.
Die Aussage des
amerikanischen Regisseurs Peter Sellars "Kultur
ist, was wir miteinander haben", machte er zum
Motto des Kunstraums. Seine Absicht, dass dieser
Raum es möglich machen soll, über geografische,
politische und innere Grenzen hinweg miteinander
über Gedachtes, Erlebtes, Gefühltes und Erlittenes
zu reden oder zu schweigen, erfüllt sich
offensichtlich intensiver als
erwartet.
Aktuell sind neueste Arbeiten des
in Tarrenz lebenden Künstlers Willi Pechtl zu
sehen. Mit dem Zyklus "Breakdance" verleiht Pechtl
seiner Faszination für die schier grenzenlose
Körperbeherrschung von Tänzern Ausdruck. Die Serie
"Der Brotladen" zeigt eine intensive
Auseinandersetzung mit der Literatur von Bertolt
Brecht.
Kunstraum Pettneu, bis 25. Februar,
Dienstag, Donnerstag und Samstag 17 bis 20 Uhr,
Sonntag 15 bis 17 Uhr und nach telefonischer
Vereinbarung 0676/5117383