
Für Daniel Buren war das Konzept, war die gründende Idee des Kunstwerks, nicht nur dessen – von allen Zwängen zur Ausführung befreite – Hauptsache, sondern das „Werk" letztlich nicht eine Sache zum Ansehen, sondern eine, die Sehen erst erlaubt.
Die Ursprünge von Conceptual Art lassen sich nicht geographisch festlegen. Zeitgleich bildeten sich verschiedenste Varianten der, zunächst auch weitgehend institutions- wie marktkritischen, „innovative" Technik aus – in den Vereinigten Staaten ebenso wie in Europa (mit Schwerpunkten in Zentral- und Osteuropa). Trotz des Mythos von der Marktferne (an dem zum Teil durch die Künstler selbst heftig mitgebastelt wurde), stellt der kräftigste Markt, die USA, die bis heute bekanntesten Vertreter der Konzeptkunst in ihrer linguistischen Ausprägung.
Robert Barry etwa, dem derzeit auch eine Einzelausstellung in der Wiener Galerie Steinek gewidmet ist (siehe STANDARD-Bericht "Keine Abenteuer mehr"). In der Generali-Foundation zeigt Barry sein Invitation Piece, eine Serie von acht Einladungskarten: Er initierte damit einen fiktiven Kreislauf seiner Arbeit durch die wesentlichen Galerien zu Anfang der 70er-Jahre. Da lädt etwa Paul Maenz zu einer Barry-Präsentation in die Galerie Art + Projekt. Die wiederum lädt in die Räume von Jack Wendler, der zu Leo Castelli. Und so weiter, bis Barry letztendlich wieder bei Paul Maenz landet – und aus den Konkurrenten am Kunstmarkt eine fiktive Community geworden ist.
Neben den linguistischen Praktiken zu Ausübung von Konzept-Kunst, kennzeichnen auch in ihrem Kontext verschobene, simple soziale Handlungen das Feld. Im Rahmen der per se „emanzipatorischen" Bewegung, die sich von klassischen Werkbegriffen ebenso zu verabschieden suchte, wie sie sich dem Zugriff der gängigen Kritik entzog, sind feministische Positionen von wesentlicher historischer Bedeutung:
Künstlerinnen wie Martha Rosler, Mary Kelly oder Mierle Laderman Ukeles haben wesentlich zu einer Befragung althergebrachter Wertesysteme und zu einer kritischen Distanz zu medialer Rezeption beigetragen. Ukeles übernahm gesellschaftlich niedrig bewertete Arbeiten wie Pflegedienst und Wartungsarbeiten. Und definierte diese, meist unentlohnt von Frauen ausgeführten Tätigkeiten eben als Kunst, und transportierte ihre Arbeit in kunstspezifischen Informationskanälen. Ein Beispiel einer (sehr) österreichischen konzeptuellen Praktik liefert Gottfried Bechtold: Er dokumentierte "100 Tage Anwesenheit in Kassel" zur Documenta 5. – vor allem im Wirtshaus. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.9.2006)