Hier, im Abseits des Gastro- bis Gasoline-Themenparks auf 49.100 Kubikmeter "Luftraum", ist weniger los. Um präzise zu sein: Fast gar keine Ruhesuchenden haben sich an diesem Tag hierhin verirrt, in die Nachbarschaft der bescheiden um Blicke buhlenden Leinwände.
Aus einem malerischen Land ..., titelt man - so das Konzept - zum neunten Mal und präsentiert nach Südafrika, Mexiko und zuletzt Island den Euro-2008-Austragungspartner Schweiz. Trotz des starren Länderkonzeptes gelingen Lioba Redekker und Team stets wohldosierte und reiz- wie kontrastvolle Stichproben aus dem aktuellen Kunstgeschehen.
Leider kommt man auch diesmal nicht ganz ohne Klischeebilder aus: So wurden zwar die isländischen Papp-Eisberge nicht durch helvetische Gipfelketten ersetzt, eingeschrieben in das Kreuz der Eidgenossen ziert aber eine an Alfons Walde gemahnende alpine Winterlandschaft (Monika Ruckstuhl) das Katalogcover. Ruckstuhls Landschaften beziehen sich auf touristische Bildvorlagen und so erinnern auch ihre Innenräume - leider - an exklusive Reiseprospekte.
Entgegen der Schablone
Sehr gedeihlich entgegen der Schablone geraten sind die unaufgeregten Stadtansichten und repräsentativen Interieurs, die Thomas Hauri grau in grau, präzise im Detail und flächig ornamental zugleich, aquarelliert. Die lichte Transparenz, in der sich das ehemalige Nazi-Seebad Prora auf Rügen nahezu auflöst, hat allerdings nichts mit freudiger Leichtigkeit zu tun; die jede Farbigkeit und Materialität verschlingende grelle Helligkeit ist für Hauri vielmehr mit erstarrendem Unbehagen verbunden. Das Verschleiern von Konturen dient bei Anaïs Gumy vielmehr der Konzentration auf reine Malerei. Das in eine melancholische Farbpalette getauchte Figurative ist bei ihr nur vordergründig und über die eigentliche Abstraktion hinwegtäuschend.
Wieder anders die vom Dunkel der Nacht verheimlichten Umrisse in der Straßenserie Andrea Muheims. Im Dämmerlicht fängt sie weder Gefahr noch Schwermut, sondern meditative Ruhe und Intimität ein. Tatsächlich Unheimliches findet sich in Olaf Quantius' Bildern halb zerfallener Schuppen, die vor dem Silberglanz des Aluminiumlacks noch weiter an die Peripherie ihrer Existenz rücken.
Gedrückt in der Farbgebung auch Klodin Erbs barock-expressive, oft zwischen Witz und Horror schwankende Spiele mit kunstgeschichtlichen Vorlagen. Auch Georgine Ingold bezieht sich auf bereits bestehende Bildwelten: Lebendig bunt in der Farbe und pastos im Auftrag fallen ihre ausdrucksvollen Selbstporträts aus, die Inszenierungen des Weiblichen aus TV und Film zitieren.
Auch auf die Gefahr hin, sich Wiederholungen hinzugeben: Bitte gebt die Kunst aus der Garage! (Anne Katrin Feßler/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 3. 2008)