Franz West wird kommende Saison den Eisernen Vorhang der Wiener Staatsoper gestalten, so rauscht es im Salzburger Notenblätterwald. Seit Start des Projekts 1998 ist er erst der dritte österreichische Künstler, dem diese Ehre zuteil wird. Die international renommierte Jury, darunter Biennale-Venedig-Leiter Daniel Birnbaum, ist also streng, kennt keinen Heimvorteil, und das ist gut so.
Was auch immer man von dieser ideologisch motivierten Verdeckung des alten Eisenmenger-Vorhangs hält, die Staatsoper hat im Kunstbetrieb einen Stein im Brett. Einen exotischen, denn im Theater- und Opernbereich geht es heute erstaunlich konservativ zu, was die visuelle Konkurrenz betrifft. Diese wird nämlich bevorzugt zur Behübschung von Gängen und Pausenfoyers in Öl und Stein geduldet, neuere Medien oder Methoden scheinen verpönt.
Natürlich gibt es Ausnahmen, Nitsch, Hrdlicka, Kiefer gestalteten Bühnenbilder, 2008 fuhren die Salzburger Festspiele gleich mit fulminantem Doppelpack auf: Die sperrige Poetin Rebecca Horn und der dunkle Malerstar Daniel Richter steuerten fantastische Bühnenbilder bei. Und heuer? Wüste. Nicht einmal einen offiziellen Festspielkünstler gibt es. Woher dieses Misstrauen der einen Avantgarde der anderen gegenüber? Wenn die Festspiele und Salzburg bei der bildenden Kunst ähnlich hohe Ansprüche anlegten, wie sie es auf der Bühne tun, wenn sie hier denselben Mut hätten – die Festspielhäuser, die Stadt würden anders aussehen.
Warum
gibt es denn keinen unabhängigen Topkurator, der den Festspielen eine
kontroversielle Ausstellung samt Diskussionsprogramm hinzaubert, sodass
Konkurrenz wie dem Edinburgh Festival, wo es so eine Schiene bereits
gibt, die Ohren nur so schlackern? Eine wesentliche Ausstellung würde
übrigens auch den Wiener Festwochen wieder einmal gut anstehen, die
durch nachhaltige Ignoranz in den vergangenen Jahren ihr Renommee auf
dem Gebiet der bildenden Kunst völlig verspielt haben.
Natürlich
bleibt Wiens Kunstszene trotzdem attraktiv. Die Jungen in Salzburg aber
müssten aktiv gehalten werden: mit günstigen Ateliers in der teuren
Altstadt etwa. Spannenden Lehrenden am Mozarteum. Einem Moderne-Museum,
das finanziell und personell imstande ist, ein international
ausstrahlendes Programm zu schaffen. Durch neue Kooperationen mit den
bisher daran wenig interessierten Festspielen. Mit einer Fördergalerie
für junge Kunst, die von gut vernetzten Gastkuratoren bespielt wird,
nicht wie seit Jahren arriviert-kulinarisch von einer Landesbeamtin.
Und mit Möglichkeiten, kontrovers in einem öffentlichen Stadtraum zu
intervenieren, der künstlerisch bisher von einer Privatstiftung
beherrscht wurde.
In den nächsten Jahren wird Salzburg gut darauf achten müssen, dass wenn die Vorhänge fallen, nicht nur ein Sound-of-Music-Museum in Hellbrunn übrig bleibt. Schließlich ist es die bildende Kunst, die bleibt.
almuth.spiegler@diepresse.com
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