

vergrößern 600x396Nahsichtigkeit und die Kraft des Feuers ziehen den Blick des Betrachters tief in Josef Felix Müllers Gemälde "Feuer V" (2010) hinein.
vergrößern 600x482Eine heutige, kritisch-ironische Variante der Delacroix'schen "Liberté" von Asgar/Gabriel bei Hilger Contemporary.

Schmetterlinge und Bienen laben sich am Nektar seiner Blüten; Käfer und andere Krabbler knabbern an den Blättchen, in die sich Raupen gerne rollen: der Schlehdorn, ein wahrlich vielseitiges Gewächs. Selbst für seine Dornen gibt es praktische Verwendung. Der Neuntöter, ein auch Rotrückenwürger genanntes ausgefuchstes Vögelchen, spießt seine Beute wie Insekten oder Mäuse an ihnen auf - makabre Vorratshaltung. Neben einer starken Schutzwirkung gegen Hexen wird ihm der Legende nach auch vom Wegedorn gerne die Schuld an der Bereitstellung der Zweige für die Dornenkrone Jesu zugeschoben.
Und so sind es bei Josef Felix Müllers großformatigen Gemälden nicht nur brennende Zweige, die er auf Leinwand bannt, sondern mit viel Symbolgehalt, mit Historie, heidnischen Bräuchen und Religionen, Leben und Tod aufgeladene Gehölze. Kontrastreich dazu die weißen, reinen, aber auch erotisch aufgeladenen Holzobjekte - manche erinnern an Pflanzenkapseln -, die er in der Ausstellung dazu installativ kombiniert: Dialoge zwischen werdendem und schwindendem Leben.
Berge, Gletscher, Wälder, Quellen, Wasser und Licht faszinieren den 1955 in der Schweiz geborenen Künstler, der von seinem ehemals expressionistisch figurativen zu einem naturalistischen Stil gefunden hat. Das Licht, das sich bisher in seinen Motiven, etwa in den Baumwipfeln verfangen hatte, kommt nun als eine im Feuer gebannte Energie ins Bild. Mit derselben Nahsicht, mit der er Bäume und Waldboden betrachtet, lässt er nun in das Rot, Gelb und Weiß des Feuers eintauchen: Es ist ein Versinken in den Flammen, das dem Blick ins reale Feuer, seinem faszinierenden Sog entspricht. Dort hangelt sich das Auge am Schwarz der Äste entlang, glaubt Formen zu erkennen, gibt sich Halluzinationen hin.
"Mein Garten bietet mir eine unerschöpfliche Quelle von Bildern, die ich mit der Digitalkamera dokumentiere", sagt Müller. So ist er zwar dem Pleinair, dem natürlichen Licht verpflichtet, arbeitet aber trotzdem im Atelier. Format und langsames, geradezu meditatives Schichten der Ölfarbe erlauben es nicht anders. Ein Herantasten, das den Bildern, abgesehen vom Feuersog, Tiefe verleiht.
Bei Hilger Contemporary: neue Arbeiten von Daryoush Asgar und Elisabeth Gabriel. (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.4.2010)
Bis 4. 5. (Josef F. Müller) bzw. 14. 5.
Galerie Hilger Dorotheergasse 5, 1010 Wien
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