| Wider dem gängigen Österreich-Image | |
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Guillotine, lebender Lift oder gläserner Wasserfall - Zu Raimund Abrahams spektakulärer Fassade fällt jedem etwas ein. Eröffnet wird das Gebäude am 18. April. |
Hollein oder Abraham? Noch bevor am 16. Dezember 1992 die hochkarätige
Jury des Wettbewerbs um den Neubau des Österreichischen Kulturinstitutes
New York im Wiener Messepalast zur entscheidenden Sitzung zusammentrat,
war bereits eine Entscheidung gefallen: Der Neubau würde weltweit Aufsehen
erregen. Denn beide Projekte, die es aus einem Kreis von 226 Einreichungen
in die fünfte und letzte Runde geschafft hatten, waren kühne Würfe für den
gerade einmal 28,3 x 7,6 Meter Grundfläche umfassenden Bauplatz in
Manhattan. Doch nicht der Entwurf von
Österreichs Stararchitekt und Pritzker-Preisträger Hans Hollein, sondern
jener des seit langem in New York ansässigen Osttiroler Raimund Abraham
hatte am Ende die Nase vorn. "Kühner expressionistischer Effekt"
Sein Entwurf stieß sofort auf ein großes, teilweise begeistertes Echo:
"So ein Gebäude hat es in Manhattan seit mehr als 25 Jahren nicht mehr
gegeben", befand etwa Herbert Muschamp, der prominente Architekturkritiker
der "New York Times", "Man muss bis zum Seagram Building, dem Guggenheim
und dem Whitney Museum zurückgehen, um Funktion und Konstruktion zu so
einem kühnen expressionistischen Effekt vereint zu sehen." Ein Effekt, der durchaus nicht absichtslos war: "Mit seiner Fassade aus
scharf geschnittenem Glas, das wie eine Klinge hinuntergleitet, scheint
der Bau wie geschaffen dafür, das geläufige Image Österreichs als Heimat
tänzelnder weißer Pferde, pausbäckiger Sängerknaben und mit Schlagobers
überhäufter Mehlspeisen abzuschneiden", urteilte die New York Times
weiter. Drei Türme
Aus drei Elementen hat Abraham sein 80 Meter hohes und vermutlich rund
34,3 Mill. Euro teures Gebäude aufgebaut: Aus dem rückwärtig die ganze
Breite des Hauses einnehmenden Stiegenturm (für den Architekten "Die
Wirbelsäule"), aus dem Stützturm - dem zentralen Gebäudekern -, sowie aus
dem vorgehängten Glasturm, der "Maske". "Sowohl der Stiegenturm wie auch die vorgehängte Glasfassade streben
nach der Unendlichkeit", erläutert Abraham die Grundidee des zwischen
seinen Nachbarn eingezwängten Gebäudes. "Während der Stiegenturm nach oben
strebt, fällt die durch die Glas- und Metallflächen in Schwebe gehaltene
Fassade nach unten." Martialischer Eindruck Tatsächlich macht die gläserne, gegliederte Fassade einen starken,
martialischen Eindruck und fordert geradezu zu Assoziationen heraus.
Guillotine oder Metronom, Fieberthermometer oder Skibindung, gläserner
Wasserfall oder lebender Lift - Abrahams Gebäude zwingt die Betrachter
offenbar zu Vergleichen. Er selbst sprach einmal von einer gebauten Stele,
von einer Kreuzung zwischen Osterinsel-Skulptur
und dem Dekor des Science-Fiction-Filmes Blade
Runner. Nicht überliefert ist, wie ernst er diesen Vergleich
meinte. Auf 23 Stockwerken (und zwei Kellergeschoßen) hat Abraham
Veranstaltungsräume, Büros, Besprechungszimmer, eine Wohnung sowie die
Haustechnik untergebracht. Dank der nach hinten gelagerten Scherenstiege
weisen die Etagen eine durchschnittliche Nutzfläche von 90 Quadratmetern
auf. Eine Galerie, ein kleines Cafe, eine Bibliothek und ein für 75
Personen zugelassener Mehrzwecksaal sollen Raum für kulturelle Aktivitäten
bieten. Abschließende Terrasse Die spektakulärsten Ausblicke bietet das Gebäude freilich erst weiter
oben, im Arbeitsbereich: Das Besprechungszimmer ist wie eine Schublade aus
der Fassade herausgezogen (den "Kopf der Figur" nennt dies Abraham), und
im 20. Stock befindet sich schließlich eine Terrasse, die im Sommer für
Empfänge genützt werden kann. Der Blick ist atemberaubend. Tipp Die Eröffnungsfeier beginnt am Donnerstag um 10.00 Uhr Ortszeit mit
einer Begrüßung durch den Leiter des Kulturforums, Christoph
Thun-Hohenstein. Ein Musik-Marathon mit dem Klangforum Wien bis weit nach
Mitternacht beendet den Eröffnungstag.
Ö1 berichtet live von der Eröffnung des Austrian Cultural Forum:
Konzertmitschnitte und Gespräche, präsentiert von Dorothee Frank, Wolfgang
Kos und Christian Scheib. | ||||||||