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Vom jungen Wilden zum Star

12.03.2008 | 18:34 |  (Die Presse)

Egon Schiele, Kurzporträt eines tragischen Vielgeliebten.

„Auch Gerti (die Schwester) weiß nicht, wie viel und wie schwere seelische Leiden ich ertragen muss. Warum male ich Gräber? Und viele ähnliche Bilder – weil dies innig in mir fortlebt“, schrieb Egon Schiele 1913. Als Sohn eines Eisenbahnbeamten wurde er 1890 in Tulln geboren. Mit 16 wurde er an der Wiener Akademie der bildenden Künste aufgenommen. Erste Erfolge feiert er 1909 bei der „Großen Kunstschau“, der Kunstkritiker Arthur Roessler förderte ihn, ebenso Gustav Klimt. 1910 verließ Schiele Wien, es folgten kurze Aufenthalte in Krumau und Neulengbach, wo er wegen angeblicher sexueller Übergriffe gegen Minderjährige inhaftiert wurde. 1910 kehrte er nach Wien zurück, wo er dank Klimt schnell wieder Fuß fassen konnte. Nach Klimts Tod 1918 stieg Schiele zum ersten Star der Wiener Kunstszene auf. Heute schrumpft seine kurze Biografie zu einer Kette heftiger Ereignisse, wie sie der Markt an den Lebensläufen von Künstlern schätzt: der Tod des Vaters, der an Paralyse infolge von Syphilis starb, der Kampf mit dem Rivalen Gustav Klimt; Verführung Minderjähriger, Gefängnis. Schiele starb mit nur 27 Jahren. Dass er wurde, was er ist, hat er dem Augenarzt Rudolf Leopold (83) zu verdanken – und Wiener Emigranten in die USA, den Kunsthändlern/Sammlern Serge Sabarsky, Otto Kallir, dessen Enkelin Jane Kallir. Zäh kämpfte Leopold Jahrzehnte, dass Schiele in die erste Reihe rückte. Der Rekord für Gemälde liegt derzeit um die 20 Mio. Euro mit steigender Tendenz. Heute zählt Schiele neben Klimt und Kokoschka zu den bedeutendsten bildenden Künstlern der Wiener Moderne. bp

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2008)


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