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Elfie Semotan: Künstler-Beziehungskisten

14.08.2010 | 18:17 | von Edith Schlocker (Die Presse)

Elfie Semotan zeigt im Salzburger Rupertinum Porträts von 60 Künstlern – und konfrontiert uns mit ihren Marotten, ihrer Scheu, ihrer Eitelkeit.

Als Model war Elfie Semotan viele Jahre lang selbst im Sucher der Fotografen – um Ende der Sechzigerjahre die Seiten zu wechseln, selbst zur international gefragten Fotografin der glitzernden Scheinwelt der Mode zu werden. Für „Vogue“ oder „Elle“ setzte sie Naomi Campbell oder Claudia Schiffer glamourös ins Bild, ihr spezifisches Gespür für Ästhetik prägte durch viele Jahre den öffentlichen Auftritt großer Modelabels, darunter auch von Palmers, dessen in den frühen Siebzigerjahren skandalisierte Werbelinie Semotan fotografiert hat.

Die intensive Zusammenarbeit mit Helmut Lang veränderte Elfie Semotans Art zu sehen: weg von der dekorativen Oberfläche hinein in die Seelen ihrer Gegenüber. Die oft Künstler sind, Freunde ihrer ehemaligen Lebenspartner, der Maler Kurt Kocherscheidt und Martin Kippenberger. Rund 60 ihrer Künstlerporträts sind nun im Salzburger Rupertinum zu sehen. In Gruppen gehängt zwischen große Stillleben, die im Atelier der inzwischen 69-jährigen, in New York, Wien und im südlichen Burgenland lebenden Elfie Semotan entstanden sind. Sorgsam komponierte Schwarzweißbilder, in denen es um nichts Konkretes, aber um viel Emotion geht. Zelebriert als wunderbar poetisches Spiel mit Schärfen und Unschärfen, mit Formen und Farben im scheinbar Nicht-Farbigen.

Hier ist nichts spontan, jedes Bild das Produkt intensiver Recherche. Wobei sich bei jedem Schuss die Waage zwischen Selbstinszenierung durch den Porträtierten und inszenatorischem Eingriff durch die Porträtierende hält. Die Bilder sind auch Zeugen nicht immer einfacher Beziehung, von Nähe und Ferne, Miteinander-Können und Miteinander-nicht-Können, Verwandtschaften und Fremdsein.


Künstler in ihrem Atelier. Am liebsten fotografiert Semotan die Künstler in ihrem privaten Umfeld, die Maler und Bildhauer in ihren Ateliers. Der Rupertinum-Besucher sieht sich hier mit ganz gewöhnlichen Menschen konfrontiert, ihren Marotten, ihren Eitelkeiten, ihrer Scheu. Etwa der heurige Salzburger Superstar Daniel Richter, dessen Bühnenbild für „Lulu“ für Furore sorgt und dem die Galerie Ropac diesen Sommer ebenso eine Personale widmet wie das Rupertinum. Welcher Mensch hinter seinen symbolistisch aufgeladenen Bildern steht, suggeriert das von Elfie Semotan fotografierte Porträt, das den Meister vor einem seiner Bilder zeigt, wobei er fast zu einem Teil von diesem wird.

Völlig anders das daneben hängende Porträt von Jonathan Meese. Mit nacktem Oberkörper inszeniert er sich als böser Bube, der, zur Wand gelehnt, über die Schulter düster in die Kamera blickt. Elke Krystufek präsentiert sich dagegen als im wahrsten Sinn des Wortes opulent aufgemascherlte Diva mit weißblonder Perücke und in rotem Kunstpelz. Eitelkeiten dieser Art sind Maria Lassnig fremd, die sich als 90-Jährige voll Selbstironie in ihrer ganzen zerbrechlichen Vitalität zelebriert: Ganz ohne ihre Malerei im Hintergrund, im Gegensatz zu der ebenfalls greisen Louise Bourgeois, die sich mit offensichtlichem Vergnügen in schwarzem Hut und Mantel in ihrem Atelier mit ihren rosig-nackten skulpturalen Alter Egos hat ablichten lassen.


Kippenberger als Clown. Der Menschenmaler Alexander Katz gibt sich augenzwinkernd als Biedermann, Lois Weinberger als Gärtner der kunstvollen Art, Hubert Scheibl als junger Vater, Walter Kippenberger als Clown. Bruno Gironcoli wird von Elfie Semotan auf seine schwer auf seinem Oberschenkel ruhende weiße Hand reduziert. Die amerikanische Malerin Rosson Crow nutzt dagegen das Fotoshooting zum großen Auftritt im feudalen Abendkleid. Weniger spektakulär sind die in Schwarzweiß gestalteten Porträts österreichischer Künstler. Die hier von Semotan Abgelichteten schauen meist sehr ernst, bisweilen misstrauisch oder abweisend in die Kamera, vielleicht aus Angst, zu viel von sich zu verraten.

Rupertinum Salzburg, bis 24. 10.


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