Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch etwas noch Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt.“ Das schrieb Douglas Adams quasi als Vorwort zu seinem Roman „Das Restaurant am Ende des Universums“. Das Universum künstlerisch zu begreifen und zu erklären, seiner Leuchtkraft nachzuspüren und den Sehnsüchten und Ängsten, die das Wissen um die unendlichen Weiten und die unfassbaren Möglichkeiten in uns weckt, ist eine Ausstellung in der Kunsthalle Wien angetreten: Künstler aus 18 Nationen nehmen daran teil.
Was durch diese Ausstellung rasch begreifbar wird, ist dies: Wo Künstler sich an der Wissenschaft abarbeiten, bleibt der Erkenntnisgewinn beschränkt (vielleicht kooperiert man deshalb mit dem Naturhistorischen Museum, das u.a. seine Meteoritensammlung zeigt). Die Wissenschaft hat in diesem Fall nicht nur die genaueren Erklärungen: Sie hat auch die spannenderen. Oder kann man sich irgendeine künstlerische Aktion denken, die an die unbegreifliche Poesie eines schwarzen Lochs heranreicht? Nicht nur in der Kraft der Gedanken, auch in dem, was die Wissenschaft sichtbar macht, ist sie in diesem Fall der Kunst oft überlegen: Zu den zahlreichen Sternbildern in der Schau etwa muss gesagt sein: Das Weltraumteleskop „Hubble“ macht immer noch die besseren Aufnahmen. Auch wenn man es durchaus apart finden mag, wenn Eric Andersen einfach Galaxien erfindet oder Angela Bulloch einen Computer ausrechnen lässt, wie der Nachthimmel vom zwanzig Lichtjahre entfernten Planeten Gliese 581c aus betrachtet aussieht.
Die Kaffeekanne als Raumkapsel
Fruchtbarer und auch lebendiger wird die Auseinandersetzung mit dem Thema dort, wo es um Träume geht und darum, was Kunsthallen-Chef Gerald Matt bei der Pressekonferenz den „symbolischen Raum“ nannte. In diesem Raum existieren die Marsmenschen des Orson Welles, der am Halloween-Abend 1938 die Bevölkerung von New York, New Jersey und San Francisco in Panik versetzte, weil die Hörer glaubten, bei seinem Hörspiel handle es sich um eine Reportage. (Virginie Yassef nimmt in ihrer Arbeit darauf Bezug.) In diesem symbolischen Raum bläst ein Girlie mit spitzen Ohren und blauen Haaren unter dem Titel „Genesis“ Seifenblasen ins All (Mariko Mori), und eine Kaffeekanne wird wie in der wunderbaren Arbeit von William Kentridge zur Raumkapsel. Lieutenant Uhura erklärt uns in Simone Leighs Videoarbeit: „Alien-frequence is open, Sir.“ Und auf dem Gemälde des Künstlerkollektivs Vladimir Dubossarsky und Alexander Vinogradov treten die Menschen gegen die Aliens zum Fußballmatch an. „Earth wins“ heißt das großformatige Gemälde schlicht – und am Rande sieht man einen kleinen Alien (warum haben die eigentlich immer so große Augen?), wie er ein Tränlein verdrückt. Mitleid? Wie auch immer: Außer den Aliens und ihren UFO scheint die Szenerie wie dem Jahr 2011 entnommen: Fußball bleibt Fußball, die gleichen Trikots, die gleichen Tore, sogar die gleiche Flutlichtanlage.
Und die Geschichte? Ja, die Geschichte! Einer der Anlässe zur Ausstellung war das 50-Jahr-Jubiläum der bemannten Raumfahrt, Gagarin hat sich ins All katapultieren lassen. Diesem Ereignis gilt ein eigener Trakt, mit Devotionalien vom Gagarin-Teller bis zur Gagarin-Büste und einem Nachbau seines Büros. An die Mondlandung erinnern zwei Warhol-Lithos – und an den von Ost und West in den Weltraum erweiterten Wettstreit der Ideologien das Gemälde einer Weltraum-Barbie mit CCCP-Helm (ebenfalls Vladimir Dubossarsky und Alexander Vinogradov). Übrigens gab es diese Weltraum-Barbie wirklich. Sie wurde gemeinsam mit einem Weltraum-Ken verkauft. Das alles wird ergänzt mit sehr viel Text, der eine Menge erläutert und wenig erhellt. Aber das ist vielleicht gut so. Wie meinte Douglas Adams? Es gibt die Theorie, das Universum werde, sobald man seinem Zweck auf die Spur kommt, durch etwas noch Bizarreres ersetzt. „Es gibt eine andere Theorie“, schreibt Adams weiter, „nach der das schon passiert ist.“
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