| "Bauen ist ein Verdummungsprozess" | |
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In New York lebender Osttiroler mit österreichischer Herzensbindung und amerikanischem Pass - Raimund Abraham. |
Seit kurzem ist Raimund Abraham Amerikaner. Für jemanden, der bereits
1964 von Österreich in die USA auswanderte und seit 1971 in New York City
lebt, unterrichtet und arbeitet, an sich nichts Ungewöhnliches. Und doch
war der Schritt, den der am 23. Juli 1933 in Lienz (Osttirol) geborene
Raimund Abraham mit dem Ansuchen um die amerikanische Staatsbürgerschaft
setzte, kein Formal-, sondern ein Kraftakt. Protest gegen FPÖ
Bei jeder Gelegenheit versichert Abraham, der mit weißem Schnauzbart,
Schlapphut und oft einer Zigarre im Mundwinkel auch im Auftreten seine
Eigenwilligkeit betont, wie sehr er seiner Heimat verbunden sei und beim
Wegfall seines Grundes auch sogleich bei den österreichischen Behörden um
die Zuerkennung einer Doppelstaatsbürgerschaft einkommen wolle. Sein Grund - das ist die Regierungsbeteiligung der FPÖ. Sein bereits
vor zwei Jahren gestellter Antrag wurde von den US-Behörden erst jetzt
bewilligt - kurz vor der Einweihung des von ihm errichteten Kulturforums
New York, mit dem sich die Republik Österreich ein modernes Image geben
möchte. Zur Eröffnung werden namhafte Repräsentanten der Regierung
erwartet, und für den streitbaren Architekten verspricht der Tag spannend
zu werden. Visionäre Architektur Nach Absolvierung des Realgymnasiums in Lienz studierte Abraham 1952-58
an der Technischen Universität in Graz und schloss diese mit Auszeichnung
ab. 1959-64 arbeitete er in Wien als Architekt, mehr auf dem Gebiet der
Theorie als auf jenem der Praxis. "Imaginäre Architektur", "Visionäre
Architektur", "Elementare Architektur" lauteten die Stichworte, mit denen
er "Anstoß zu einer Diskussion über das Wesen der Architektur und ihre
Beziehung zur Kultur unserer Zeit" gab, wie es Terence Riley einmal
nannte. Abraham galt als einer der Exponenten der neuen Wiener
Architektur-Avantgarde und wurde als solcher 1967 gemeinsam mit Hans
Hollein und Walter Pichler im Museum of Modern Art in New York
ausgestellt. Zu diesem Zeitpunkt lebte er bereits drei Jahre in den USA.
Zunächst lehrte er an der "Rhode Island School of Design", bevor er als
Architekturlehrer nach New York wechselte, an das "Pratt Institute" und
die "School of the Cooper Union". Zweite Plätze An internationalen Wettbewerben beteiligte er sich mit Aufsehen
erregenden Entwürfen, doch bei den Big-Projects schienen zweite Preise
lange sein Schicksal zu sein: Im Wettbewerb um das Centre Pompidou (1971)
wurde er ebenso knapp geschlagen wie in jenem um die Opera de la Bastille
(1983). Die Liste seiner realisierten Werke ist ungleich kürzer als die jener
Bauten, deren Architekten er beeinflusst hat. Einige Wohn- und
Geschäftshäuser in den USA und in Österreich (so zeichnete er für den
Masterplan und Gebäudesegmente der Siedlung Traviatagasse in Wien
verantwortlich) sind darunter, das Anthology Filmmuseum New York oder die
Hypo-Bank in seiner Heimatstadt Lienz. "Steinerner Löwe" Nach Abschluss des Kulturforums New York will sich Abraham, der 1985
mit dem "Steinernen Löwen" auf der 3. Architektur-Biennale Venedig
ausgezeichnet wurde, ein eigenes Haus in Mexiko bauen. Obwohl ihm das
reale Bauen, auch das hat er immer wieder betont, viel weniger
interessiert als die theoretische Architekturaufgabe: "Bauen ist irgendwie
doch ein Verdummungsprozess." Tipp "Raimund Abraham - [Un]Built", Brigitte Groihofer (Hg.), Springer
Verlag, ISBN 3211826718. Links Raimund Abraham in der Architekturdatenbank nextroom Abraham-Projekte Die für den Wettbewerb eingereichten Entwürfe finden sich bei archidose. | ||||