| Domenig-Retrospektive in Bruck an der Mur | |
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Peter Wolf über Günther Domenig.
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Zwei Projekte sind Hauptpunkte in Günther
Domenigs Lebenswerk. Sein Steinhaus in Kärnten (sein privates
Architektur-Forschungszentrum) und das Reichsparteitags-Gelände in
Nürnberg, mit dem Domenig die Geschichte des Dritten Reichs, aber auch
seine persönliche Geschichte aufarbeitet. Sein Steinhaus in Steindorf nennt Domenig sein "Forschungsprojekt der
Architektur", an dem er "ewig lange" arbeite. "Das ist gleich zu setzten
mit der Arbeit eines bildenden Künstlers. Nürnberg ist für mich die
wesentlichste ideologische Arbeit." Antisemitisch erzogen Lange Zeit habe er versucht, seine persönliche Vergangenheit zu
verschweigen: "Ich hab' dann gesehen, es hat keine Sinn, ganz im
Gegenteil, es ist deshalb wesentlich, weil ich mit meinem Bruder radikal
nationalsozialistisch erzogen worden bin. Wir haben nie etwas anderes
gelernt als die antisemitische Einstellung. Das ist meine Aufarbeitung
meiner Geschichte." Mehr als 50 Jahre hat es gedauert, bis man in Nürnberg daran ging, die
Gigantomanie des Dritten Reiches, ein überdimensioniertes
Selbstdarstellungszentrum aus der Feder Albert Speers, geplant nur für
wenige Tage im Jahr, in ein Mahnmal gescheiterten Größenwahns
umzuwandeln. Nazi-Architektur "zerschießen" "Es gibt nur rechte Winkel und es gibt nur Achsen", beschreibt Domenig
Speers Architektur. Sein Ansatz daher: "Ich mache das Gegenteil von dem,
was die gemacht haben. Rechte Winkel und Achsen gibt es nicht. Natürlich
gibt's rechte Winkel, aber mein Gebilde ist - ich mag das Wort auch nicht
gern - dekonstruktivistisch und fetzt hinein in diese ganze Geschichte,
mit dem Pfahl zerschieß' ich diese Architektur."
Bei aller Sinnhaftigkeit der Geschichtsaufarbeitung warnt Domenig aber
vor einer Mahnmal-Inflation. "Berlin hat ja auch diese jüdische Geschichte
aufgearbeitet." Das neue Jüdische Museum von Daniel Libeskind - ein Paradebeispiel
für dekonstruktivistische Architektur - hätte als Äußerung und Antwort
genügt, mein Domenig. "Was haben die jetzt weiter gemacht? Auf jedem
zweiten Platz ist irgendein jüdisches Mahnmal. Mit jeder Wiederholung
wertet man die Wirkung ab." Auch im Alter aktiv
Mit 67 Jahren hat sich Domenig von seinem Lehrstuhl an der Grazer
Technischen Universität zurückgezogen, ist aber noch lange nicht im
Ruhestand. Nach der Kunstakademie in Münster, die gerade fertig geworden ist,
arbeitet er jetzt an einem Kraftwerksprojekt für Barcelona, und an einem
großen Büro- und Hotelzentrum für Wien-Rennweg. Am Samstag, den 10. Februar, wurde Domenig mit dem Kunstpreis der Stadt
Bruck an der Mur in der
Höhe von 50.000 Schilling gewürdigt. Er erhielt diesen Preis für die
Planung des Landeskrankenhauses Bruck/Mur. Gleichzeitig wurde eine
Günther-Domenig-Werkretrospektive eröffnet, die noch bis 4. März 2001 in
der Kulturhausgalerie von Bruck an der Mur zu sehen ist. Links: Domenig bei archinform und nextroom | ||||||