text breit  text schmal  
drucken 
Bilder keine Bilder

derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
13. September 2006
21:26 MESZ
Foto: Giese & Schwaiger
Alexander Giese erweiterte ein etabliertes Duo schnell zu einem dynamischen Trio

Praxis im Keller
Die Kinder der Wiener Kunsthändler: Alexander Giese

Wien - Der erste Arbeitstag? Er wurde für zwei Wochen in den Keller geschickt, um das Bilderlager zu sortieren und zu inventarisieren. Tageslichtpauschale gab's in den folgenden zwei Wochen keine, dafür einen Überblick. Das begonnene Kunstgeschichte-Studium befand sich im Endstadium. Im Kopf war die Diplomarbeit über Peter Fendi längst fertig, nur niedergeschrieben musste sie noch werden.

Dass Alexander Giese in die Fußstapfen des Vaters treten und ein Teil des längst als Institution geltenden Kunsthandels Giese & Schwaiger werden würde, stand für ihn eigentlich von Anbeginn fest. Obwohl, ganz dunkel kann er sich daran erinnern, als Kind kurzfristig das Bedürfnis verspürt zu haben, in der Wiener Kanalisation für Ordnung zu sorgen. Der Blick unter die Oberfläche faszinierte, ebenso wie prächtige Blumensträuße und schöne Farben. Langfristig kam eines zum anderen.

Jugendlicher Enthusiasmus

Das erste verkaufte Bild? "Eine abenteuerliche Sache", schmunzelt Giese und erwähnt eine Autobahnraststation in Westösterreich und ein Gemälde Alfons Waldes. Sein jugendlicher Enthusiasmus fügt sich längst perfekt in das Tagesgeschäft. Aus einem etablierten Duo wurde schnell ein dynamisches Trio. Drei Jahrzehnte "Giese & Schwaiger", diese bislang nach außen hin präsentierte, von ihm seit acht Jahren begleitete Kontinuität, macht ihn ebenso stolz wie der Gedanke an eine weitere, eine dritte Generation.

Analog zu den in der Akademiestraße präsentierten Schwerpunkten österreichischer Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts, erschließt Alexander Giese nun auch Parallelmärkte zeitgenössischer Kunst. Mitte Juli absolvierte er gemeinsam mit seinem in Basel ansässigen Geschäftspartner Mark de Puechredon die erste Scope Art Fair auf Long Island. In den Hamptons, wo Amerikas (Geld-)Elite die Wochenenden und Ferien verbringt, residierten die beiden in einem Wohnwagen auf dem Parkplatz vor dem Ausstellungsgelände.

Der erste Messeauftritt wurde ein Erfolg, auch wegen des Exotenbonus, vermutet Giese, "Basel gilt ja als Epizentrum zeitgenössischer Kunst." Der Caravan leistete insofern dann auch bei der Auslieferung der Kunstwerke gute Dienste. Für die nächsten Scope-Termine, stets parallel zu den etablierten Events, der Frieze (London) im Oktober, der Art Basel Miami Beach im Dezember und der Armory Show im Jänner, gehören sie zu den Fixstartern.

Learning by doing

Dazwischen noch die während der Fiac Ende Oktober laufende Show-Off-Paris und dann rechtzeitig nach Wien zur Hofburg Messe für Kunst und Antiquitäten. Ein dichter Terminkalender und ein "Learning by doing", sinniert Alexander Giese, "auch eine Art von Ausbildung: Rechnungen schreiben, Transporte organisieren und die richtige Auswahl treffen".

In den Hamptons kredenzt man bekömmliche Sommerkost, in London dann Kunst mit Tiefgang. Generiert wird aus einem Pool von 14 Kunstschaffenden. Eine davon, die Fotokünstlerin Margret Weber-Unger, wird auch im Rahmen der 38. Hofburg Messe sowie während der ab 5. Oktober laufenden Herbstausstellung präsentiert. Das liebste Bild aus dem druckfrischen Giese-&-Schweiger-Katalog? "Es sind zwei, eine Venedig-Ansicht von Rudolf von Alt" - diese holte Giese heim aus der Schweiz - "und der in Ungarn entdeckte Maximilian Reinitz." Die Präsentation der Herbstausstellung wird diesmal von multimedialem Zeitgeist akzentuiert. Statt einer Staffelei mit einem besondern Highlight wird ein 42er-Flatscreen in der Auslage stehen. (Olga Kronsteiner, DER STANDARD Printausgabe, 14.09.2006)


© 2006 derStandard.at - Alle Rechte vorbehalten.
Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.