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Kunstlicht: Ein toller Leichenschmaus

22.03.2007 | 18:38 | ALMUTH SPIEGLER (Die Presse)

Die Kurie für Kunst. Ein Geheimbund, dessen Mitglieder man so einfach nicht googeln kann? (Versuchen Sie das einmal!) Ein Weisenrat, der im Hintergrund die Geschicke der Kulturnation Österreichs lenkt? Vielleicht sogar ein langes Sprachrohr zur Macht für die Sorgen der jungen Kollegen?

Österreichs Kurie für Kunst ist schwer zu fassen. Allein das Wissen um diesen „Garant und Motor dafür, dass Kunst und Wissenschaft auch eine gesellschaftliche Funktion erfüllen“, wie der Bundespräsident hoffnungsfroh formulierte, ist in der Kunstszene „50 minus“ nicht vorauszusetzen. Der „Motor“ muss wohl ein elektrischer sein.

Dabei wünscht gerade Fischer ihn sich lauter und wird nicht müde, bei seinen jährlichen Empfängen für die Kurien Wissenschaft und Kunst zu mehr „Einmischung“ aufzufordern. Er stößt auf großteils taube Ohren. Alter allein kann kein Grund dafür sein. Schließlich sitzen in diesem Gremium doch die 36 ausgezeichnetsten Geister des Landes. Und was tun sie?


Sich erinnern. Und der Vergangenheit nachtrauern. So wurde aus der einmaligen Gelegenheit, vor dem Bundespräsidenten, dem neuen Bundeskanzler, neuen Ministern Sorgen und Probleme zu thematisieren, so etwas wie der Bunte Abend eines Altersheims. Auf höchstem Niveau. Trotzdem. Man gedachte. Des verstorbenen Kurienmitglieds György Ligeti. Des 100.Geburtstags von Fritz Wotruba. Des 100.Geburtstags von Msgr. Otto Mauer.

Der Vorsitzende der Kurie Kunst, Carl Pruscha, las Ligetis Lebenslauf vor, der sowieso auf den Programm-Zetteln stand. Derart zermürbend, dass es schon wieder provokant war. Danach eilten Kanzler und Kunstministerin von dannen. Sie haben einen tollen Leichenschmaus verpasst.

Und jetzt noch das Amen im Gebet: Von insgesamt 36 in- und ausländischen Mitgliedern der Kunst-Kurie sind sechs weiblich. Guten Appetit.


almuth.spiegler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2007)


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