Das Kunsthaus Wien präsentiert ab sofort Raritäten aus dem Werk von Pablo Picasso
Der Faun als Maler der Frauen
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"Atelier", wie Picasso es sah. Foto: Succession Picasso/VBK Wien ’09
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Unter seiner neuen Geschäftsführung wandelt das Kunsthaus Wien auf
sicheren Pfaden: Seit heute läuft die Ausstellung "Picasso – Mythen,
Fabeln und Modelle". Die Kooperation mit dem Graphikmuseum Pablo
Picasso Münster beschert Wien seltene Blätter: Lithografien aus der
Sammlung Gert Huizinga, Radierungen aus der "Suite Vollard" sowie
einige Künstlerbücher aus der Sammlung Classen.
Um die Erotik im
Werk des Ausnahmekünstlers in Szenen zu setzen, ist denn auch der
"Faun, eine Frau enthüllend" – die Letztfassung einer Radierung für den
Kunsthändler Ambroise Vollard – Logo für Plakat, Katalog und Einladung.
Sechs Varianten erprobte der Künstler, bis er drucktechnisch zufrieden
war. Picasso (1881–1973) war der Schrecken der Drucker – und doch gab
es einige wenige, die verstanden, warum er Steine und Platten
zerkratzte und Schmutzflecken als Inspirationsquelle benützte. Einer
davon war Fernand Mourlot, mit dem Picasso ab 1945 in Paris arbeitete
und von dem der Sammler Huizinga die raren Zwischenfassungen noch
direkt bezog.
Die Frauen wechseln wie den eigenen Stil
Zeichnen betrachtete der Künstler wie das Schreiben einer
Autobiografie, deshalb sind die Themen auch alle auf ihn selbst und
seine wechselnden Frauen bezogen. Er behauptete frech (und um
Kunsthistoriker wie Feministinnen zu ärgern), dass er mit jeder neuen
Frau seinen Stil ändere. Das ist freilich nicht ganz so. Von der
Geliebten neben der ersten Ehefrau, Marie-Thérèse Walter, gibt es ein
altmodisch-historistisch anmutendes Porträt aus dem Jahr 1928.
Walter war die Muse, die ihn neben der politischen Situation zur
persönlichen Interpretation der griechischen Mythologie inspirierte.
Neben dem Faun schlüpfte Picasso in die Rolle des Monsters Minotaurus –
und der war dann auch das Leittier der Surrealisten, die sogar ihre
Zeitschrift nach dem Mischwesen benannten.
Scharade in allen männlichen Masken
Die Doppelnatur wurde direkt auf die Künstlerrolle übertragen:
Leidender an der Gesellschaft und geniale Leitfigur eines besseren und
sinnlicheren Daseins, Außenseiter und Vorbild. Als Zeus, Satyr, sogar
blinder Minotaurus, alternder Zwerg und als kleiner Amor bei Venus in
einer Paraphrase nach Lukas Cranach – Picasso schlüpft in alle
männlichen Masken, um sich seinen Musen und Modellen zeichnerisch zu
nähern. Im Alter macht er sich dann sogar über seine früheren, vor
Potenz strotzenden Rollen lustig und setzt die Eule, als Wappentier der
Klugheit, über alles.
Seine beste Zeit für die Druckgrafik hatte er während seiner Jahre
mit der Künstlerin und späteren Autorin Françoise Gilot 1948–1953. Die
"Tauromachie" – ein Lehrbuch des Stierkampfes nach Vorbild des 18.
Jahrhunderts – illustrierte er ab 1957, da lebte er schon mit seiner
letzten Ehefrau Jacqueline Roque in der Provence.
1968 und 1970 schuf er schließlich die letzten grafischen Zyklen,
die Drucktechniken ließen ihn neben Malerei und Plastik ein Leben lang
nicht los.
Ausstellung
Picasso – Mythen,
Fabeln und Modelle Andreas Hirsch (Kurator) Kunsthaus Wien Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien http://www.kunsthauswien.com bis 5. Juli
Printausgabe vom Freitag, 03. April 2009
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