Heftige Konflikte gingen dem Ereignis voraus: Selbst für die Hängung habe sie kämpfen müssen, da ihre Kompetenzen als Direktorin der Gemäldegalerie immer weiter beschnitten würden, erklärt Renate Trnek am Mittwoch. Als Konsequenz werde sie im Dezember zwei Jahre vor Vertragsende in den vorzeitigen Ruhestand treten. Das sorgt für keine gute Stimmung. Dabei ist der Anlass ein Grund zum Feiern: Nach dreijähriger Renovierung ist die Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste wieder öffentlich zugänglich. 1822 schenkte Graf Lamberg-Sprinzenstein seine Sammlung der Kunstakademie, die heute über einen Bestand von gut 1300 Werken verfügt. Bedingung damals war, dass die Sammlung öffentlich zu sein habe und seinen Namen tragen müsse – was ab heute zumindest zur Hälfte wieder erfüllt ist.
Luftige Lichtspiele
Die überzeugendste Neuerung sind die offengelegten Fenster: 1877 von Theophil von Hansen in der Originalarchitektur so vorgesehen, standen Jahrzehntelang Einbauten davor – sie sollten für zusätzliche Hängefläche sorgen. Jetzt sind die Räume wieder lichtdurchflutet, was der Sammlung absolut zugute kommt. Konservatorisch geprüfte Rollos verhindern, dass das Sonnenlicht zu Schäden führt. Ohne Einbauten und Zwischenwände stehen jetzt allerdings 30 % weniger Fläche zur Verfügung. Früher wurden die Werke in Zyklen gezeigt, als Konvolut der flämischen Malerei oder des Goldenen Zeitalters, um die historische Einordnung zu ermöglichen.
Mit jetzt nur mehr 170 Werken entschied sich Trnek für die Betonung der Meisterwerke, darunter Tizian, Sandro Botticelli oder Lucas Cranach, dessen wunderschöne „Lucretia“ oder der kleine, lüsterne Jesus in der „Heiligen Familie“. Einer der Höhepunkte ist das grandiose Triptychon von Hieronymos Bosch, „Der Weltgerichtsaltar“, auf dem Bosch das Paradies mit der Erschaffung von Eva, im Mittelteil das Weltgericht und rechts die Hölle malt.
Auch über die Präsentation gab es Streit: Sie ist dem Rektor Stephan Schmidt-Wulffen entschieden zu dicht. Aber vertragen die Alten Meister nicht durchaus solche Nähe zueinander? Wäre es hier nicht interessant, die modernistische Präsentation von wenigen Werken auf viel freier Fläche erneut zu hinterfragen? Unstrittig ist jedenfalls, dass in der Akademie der bildenden Künste jetzt in einzigartiger Weise kunsthistorische Werke auf zeitgenössische Kunstproduktion treffen.
Das Museum sei als „Übungsanstalt für bürgerliche Öffentlichkeit“ entstanden, erklärte der Rektor Schmidt-Wulffen bei der Eröffnung, und man müsse das Ausstellen der eigenen Werke als Teil der Ausbildung praktizieren.
„xhibit“ muss noch verbessert werden
Daher grenzt jetzt direkt an die Sammlung mit alten Meistern der neue Raum „xhibit“ für zeitgenössische Wechselausstellungen. Den Auftakt dort macht „Attitude and Canon“ mit Installationen von Studierenden, die allerdings konzeptuell eher überfrachtet sind – offenbar braucht es noch ein wenig Zeit, bis „künstlerische Forschung“ auch eine anschlussfähige und reizvolle Sprache entwickelt hat.
Auf jeden Fall aber ist mit der räumlichen Nähe ein interessanter Schritt gemacht, um die Sammlung als ehemals „ungeliebtes Lehrmittelkabinett“ (Renate Trnek) wieder aktiv in die Akademie einzubinden.
Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste, Wien,
Schillerplatz 3, Di-So 10-18 Uhr, „Attitude and Canon“, ebenfalls Di-So
10-18 Uhr.
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