Absolute Fotografie: Absage ans Abbild

10. November 2010, 17:29
  • Artikelbild: Auch in seinen Parisbildern dokumentiert Otto Steinert nicht. Vielmehr macht der Fotograf die der Stadt innewohnenden abstrakten Strukturen in eigenen Bildkomposition sichtbar: "Pont Neuf, Paris" von 1949. - Foto: Galerie Faber

    Auch in seinen Parisbildern dokumentiert Otto Steinert nicht. Vielmehr macht der Fotograf die der Stadt innewohnenden abstrakten Strukturen in eigenen Bildkomposition sichtbar: "Pont Neuf, Paris" von 1949.


Für die deutsche Nachkriegsfotografie war Otto Steinert als Künstler wie als Lehrer gleichermaßen prägend: Die Galerie Faber gibt einen kleinen, aber prägnanten Einblick in seine "subjektive Fotografie"

Wien - Als Lehrer prägte er Generationen deutscher Fotografen: Otto Steinert (1915-1978) war jedoch ein strenger, autoritärer Professor. Mit seinem Hang zum Spröden und Peniblem soll er, der fotografische Autodidakt, seine Studenten in Saarbrücken und ab 1959 an der berühmten Folkwang-Schule in Essen zur Weißglut getrieben haben. Bei "schlechter" Fotografie kannte er wohl kein Pardon: Mit Rotstift soll er quer über die Aufnahmen Fäkalausdrücke geschrieben haben, erzählt Galerist Johannes Faber eine überlieferte Anekdote. Trotzdem wollten viele, darunter Andreas Gursky, den Begründer der sogenannten "Subjektiven Fotografie" kennenlernen; Gursky blieb wenig Gelegenheit, denn Steinert starb bereits ein halbes Jahr nach dessen Studienbeginn.

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In der Mini-Personale, die die Galerie Faber dem Werk des deutschen Nachkriegsfotografen widmet, wird sehr gut illustriert, was Steinert unter "Subjektiver Fotografie" verstand: eine Kunst, die mehr auf die schöpferische Absicht abzielte denn auf bestimmte Gestaltungsformen.

Konsequenterweise setzt also die Ausstellung 1947 ein: mit Fotogrammen, die an Experimentelles von Laszlo Moholy-Nagy und Man Ray anschließen. Stillleben aus Messerbänkchen und Wassergläsern zauberten bei dieser Form der Direktbelichtung ohne Kamera abstrakte Kompositionen auf Film oder Fotopapier. Diese Fotogramme verkörpern im Grunde das, was Steinert 1954 im Aufsatz Über die Gestaltungsmöglichkeiten der Fotografie postulierte: Die höchste Stufe künstlerischer Fotografie sei ihre völlige Loslösung vom Abbildungscharakter - eine "absolute fotografische Gestaltung", die den Fotografen in den Status des autonomen Bildschöpfers erhebt.

Zwar geht die Gegenständlichkeit bei Steinert nie gänzlich verloren, sie ist jedoch immer einem abstrakten Gestaltungswillen untergeordnet: Schornsteine, Bahngleise, Baumstämme, Mauern sind der Lust an Form und Linie verpflichtet. Der Blick aufs Meer reduziert sich auf die Struktur der Wellen, jener auf die Straße verflacht zur Zeichung. Die Realität wird also in Steinerts Fotografien gleich doppelt ins Zweidimensionale zurückgefaltet. Schön. (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.11.2010)

 

Bis 4. 12., Galerie Johannes Faber, Dorotheergasse 12, 1010 Wien

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Heinz Anderle 
11.11.2010 06:29
Das ist nicht ganz einfach,...

... da meistens starke Teleobjektive (ab 200 mm und mehr) notwendig sind, um den Blick so wie hier zu verdichten.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

1000 Kopfläuse können nicht irren
11.11.2010 11:51
Ja.

Musste ich schmerzhaft bei einem Fotoworkshop im Gesäuse feststellen. Meine Brennweiten (Vollformat) enden bei 200 mm und im Spätherbst hätte ich bis zur Brust in die Enns gemusst um den Bildausschnitt zu erhalten den ich eigentlich wollte. *g*

Das Objektiv für dieses Foto schätze ich auch auf mindestens 200 mm Brennweite ein.

wunderwutzler
11.11.2010 10:44

Was verstehen Sie unter "starke" Teleobjekitve? Ein 200mm Objektiv ist ziemlich schwach wenn es eine Blendenzahl von 1:4-x hat.
Ein 50mm Objektiv mit Blende 1.4 ist aber stark, oder genauer gesagt, Lichtstark.

Für dieses Bild im Artikel war allerdings in keinster Weise ein Lichtstarkes Objektiv nötig. Die Tiefenschärfe ist hoch (was auf eine ziemlich geschlossene Blende oder hohe Blendenzahl schließen lässt) und es ist genügend Licht vorhanden - Ergo, dieses Bild hätte auch eine simple, von mir aus eine Bridgekamera bewältigt.

The American
11.11.2010 03:47
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Auf so einen Nazifotografen kann ich dankend verzichten.

Anton Hammerschmidt
11.11.2010 08:26
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[2]
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Steht

in diesem Artikel irgendwo, dass er ein Nazi war ? Oder wissen Sie vielleicht mehr ? Wenn ja, lassen Sie doch uns allen diese Informationen zukommen.

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