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Thun-Hohenstein: Diplomat als MAK-Chef

16.05.2011 | 17:27 | Von Barbara Petsch (DiePresse.com)

Museum für angewandte Kunst. Ministerin Schmied stellte den Nachfolger Peter Noevers vor: Christoph Thun-Hohenstein will angewandte und aktuelle Kunst zeigen.

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche: Unter diesem Motto Gustav Mahlers übernimmt der 51-jährige Jurist, Politikwissenschaftler und Kunsthistoriker Christoph Thun-Hohenstein am 1. September 2011 für fünf Jahre die wissenschaftliche Geschäftsführung des Wiener Museums für angewandte Kunst (MAK).

Es gab 56 formelle Bewerbungen, mit zwei Personen, die sich nicht beworben hatten, führte Kulturministerin Claudia Schmied Gespräche. Einer davon war Thun-Hohenstein: „Im Jänner gab es den ersten Kontakt. Ich wurde gefragt, ob ich es ausschließe, dass ich die Funktion übernehme. Das habe ich natürlich nicht getan, das MAK ist eine hochinteressante Herausforderung", so Thun im Gespräch mit der „Presse". Er habe dann seine Vorstellungen dargelegt, vor ungefähr zehn Tagen habe man sich geeinigt. Er sei kein Parteimitglied, versuche, sich „aus Parteipolitik herauszuhalten", betonte Thun.

Schmied lobt Teamarbeiter Thun

Geboren wurde Thun in Wolfsberg. In Wien absolvierte er das Akademische Gymnasium. Seine bisher wichtigsten Funktionen: Er leitete - als Nachfolger des heutigen Staatssekretärs im Außenministeriums, Wolfgang Waldner - von 1999 bis 2007 das Österreichische Kulturforum in New York. Seit 2007 ist er Geschäftsführer der „departure wirtschaft, kunst und kultur gmbh", der Kreativagentur der Stadt Wien, die Projekte in allen kulturellen Bereichen fördert.

Sie freue sich, „einen hoch qualifizierten, anerkannten Kulturmanager und Teamarbeiter" als neuen MAK-Chef präsentieren zu können, erklärte Kulturministerin Claudia Schmied am Montag vor Journalisten. Andreas Treichl, Erste-Bank-Chef und MAK-Kuratoriumsvorsitzender, kündigte für Herbst einen Rechnungshofbericht an, der sich mit der Ära des fristlos entlassenen MAK-Chefs, Peter Noever, befassen wird. Dass Noever seine Entlassung angefochten habe, sei ihm nicht bekannt, sagte Treichl. Thun-Hohenstein wird sich jedenfalls zu seinem Amtsantritt auch mit dem RH-Bericht befassen müssen: „Ich weiß nicht im Detail, was vorgefallen ist, aber ich werde damit konfrontiert sein. Ich habe Peter Noevers Arbeit für das Museum sehr geschätzt. Ich finde, dass er Großes geleistet hat. Mein Blick ist aber sehr stark in die Zukunft gerichtet", sagte Thun auf Fragen von Journalisten zu seinem dominanten Vorgänger. Ähnlich diplomatisch äußerte er sich dazu, wie er mit der interimistischen MAK-Chefin, Martina Kandeler-Fritsch, auskommen werde, die sich auch um die Noever-Nachfolge beworben hat: „Eine sehr objektive und sehr gute Mitarbeiterin. Ich habe den besten Eindruck von ihr gewonnen." Die Führung der „departure"-Agentur, die relativ kurzfristig neu besetzt werden muss, wird ausgeschrieben.

Einsame Entschlüsse waren Ministerin Schmied zuletzt öfter vorgeworfen worden: „Personalentscheidungen sind nicht delegierbar. Ich bin aber nicht autistisch, sondern hole mir Rat von vielen Personen und führe persönliche Gespräche," erklärte sie.

Was hat Thun nun vor? Das erläuterte er der „Presse" in einem Gespräch nach der Präsentation.

 


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