anmeldenabmelden

Lioba Reddeker 1961-2011

08. September 2011 19:28

Die Kunstvermittlerin leistete essenzielle Basisarbeit - Am Freitag findet die Verabschiedung statt - Künstlerappell an die Politik, den Fortbestand der Basis Wien sicherzustellen

Wien - Am, Freitag, 9.9., um 12 Uhr findet am Friedhof Pötzleinsdorfer Höhe 2 in Wien die Verabschiedung von Lioba Reddeker statt. Die engagierte Kunstvermittlerin und Kuratorin, 1961 in Nordrhein-Westfalen geboren, starb am 27. August an Krebs.

Dass die Kunstkuratoren des Bundes, die es in den 1990er-Jahren gab, mit dem Budget, über das sie verfügen durften, Strukturen gründen: Das war eigentlich nicht intendiert. Stella Rollig, nun Direktorin des Lentos, etablierte dennoch das Diskursforum Depot. Und Reddeker, die ihr nachfolgte, richtete die Basis Wien, ein Dokumentationszentrum für zeitgenössische Kunst, ein: Materialien zur Produktion, Präsentation und Rezeption sollten als Online-Datenbank zugänglich gemacht werden.

Franz Morak, ab Februar 2000 Kunststaatssekretär, führte das einst von Kunstminister Rudolf Scholten initiierte Kuratorenmodell nicht weiter - und er sah auch keinen Grund, die Strukturen zu finanzieren. Aufgrund der Budgetnöte mussten Depot wie Basis Wien das Museumsquartier verlassen: Der Diskursraum übersiedelte in die Breite Gasse, das Kunstarchiv nach Fünfhaus. Mit Almosen der Stadt und viel Idealismus gelang es aber, beide Strukturen am Leben zu erhalten.

Die Basis Wien ist längst die umfangreichste Datenbank zeitgenössischer Kunst: Gegenwärtig sind - laut Homepage www.basis-wien.at - 61.045 Personen, 13.475 Institutionen, 44.107 Ausstellungen/Projekte und 58.853 Objekte verzeichnet. Reddeker gab zudem jungen Künstlern nicht nur Basisinformationen (über Pressearbeit, Urheberrecht u. a.), sondern verhalf ihnen auch zu ersten Katalogen. Den Betrieb aufrechterhalten konnte sie nur, weil sie für Dietrich Mateschitz eine Ausstellungsserie im Salzburger Hangar 7 realisieren durfte. Die letzte von ihr kuratierte Schau wird am 30. September eröffnet. Sie trägt den Titel Tides of Chance.

Der Künstler Julius Deutschbauer appelliert an die Politik, den Fortbestand der Basis Wien sicherzustellen. Er gestaltete eigens ein Plakat: "Wir sind traurig." (Thomas Trenkler/ DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2011)

Personifizierte Unscheinbarkeit
02.09.2011 21:21

Wird mir gut in Erinnerung bleiben, was andere Kommentare hier schon beschreiben, kann ich nur bestätigen: Bei Lioba Redekker hatte man es mit einem Menschen zu tun, der andere zu ermutigen wußte. Und die "Basis Wien" ist großartig, danke dafür!

WeAreAnonymous / Schliess Dich Uns An!
30.08.2011 14:22
.
[1]
.
Ich habe in all meinen Jahren in der Kunst KEINE rundum sympathischere Person im Kunstbetrieb kennenlernen dürfen. Sie war von da her sogar eher fehl-am-Platz, bei all dem Schrott, der sich im Kunstbetrieb tummelt.

Sie war menschlich wie künstlerisch eine outstanding Person.

30.08.2011 09:57

habe mit ihr im rahmen einiger H-7 ausstellungen zusammengearbeitet. sie war eine, die auf menschen zuging, bestärkte und vor allem gut zuhörte und genau hinsah. danke dafür und adieu!

30.08.2011 08:00

Ich habe sie persönlich gekannt: eine gescheite und kompetente Persönlichkeit und warmherzige Frau. Sie hat viele Jahre tapfer gegen ihre grausame Krankheit gekämpft, und war dabei dennoch voll für ihr "Kind", die basis wien, im Einsatz. Sie hinterläßt eine große Lücke, beruflich und menschlich.

30.08.2011 01:10
.
[1]
.

R I P
eine echte persönlichkeit, sie hat pionierarbeit mit basis wien betrieben!

30.08.2011 01:05
.
[1]
.
R.I.P.

Lioba habe ich sehr geschätzt, leider hat sie die furchtbare Krankheit zu früh aus dem Leben gerissen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.