Österreichische Galerie: Markus Prachensky
Vorliebe für die Farbe Rot
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Markus Prachensky gehört zur Generation von abstrakten Malern
nach dem Krieg, die Monsignore Otto Mauer für seine Galerie (nächst) St.
Stephan entdeckt hat; in diesen Räumlichkeiten hat er auch 1960 ein
Zehnmeterbild geschaffen, das mit den tachistischen Tendenzen von Georges
Mathieu verglichen wurde. Im Jahr davor hatte er mit seiner
theatralischen Malaktion "Peinture liquide" im Wiener Theater am
Fleischmarkt (1960 wiederholt im Theater von Aschaffenburg) rote Farbe
über eine Bühnenwand fließen lassen - lange vor den Aktionen Hermann
Nitschs für die Oper; doch sind in seinem Fall nur mehr Fotos erhalten.
Die radikale Anfangsphase verband Prachensky sogar mit Manifesten vor
allem mit Rainer, Mikl und Hollegha und doch waren seine frühen
konstruktivistischen Bilder schon völlig eigenwillig. Die Phasen seines
europäischen "Action Paintings" sind aus der automatischen surrealen
Schrift und den skripturalen Werken fernöstlicher Kunst angeregt und
entwickelten sich zu großen Serien, ganz speziell ist die in Rot auf
Schwarz; später erst kamen Gelb, Grün und etwas Violett hinzu. Dem
ehemaligen Professor an der Akademie der bildenden Künste ist nun zu
seinem 70. Geburtstag eine umfangreiche Retrospektive im ganzen
Erdgeschoss des Oberen Belvedere bis 23. Juni gewidmet, die Kurator Franz
Smola mit der Galerie Ulysses, die den Künstler seit Jahrzehnten betreut,
chronologisch aufgebaut hat. Auch das Katalogbuch wurde gemeinsam
herausgegeben. Dazu zeigt die Galerie Ulysses bis 2. Juni die neuesten
Bildserien aus Kalifornien 2001. Der Weg des Malers mit seiner
Vorliebe für die Farbe Rot geht vom Geometrischen über das Informelle,
Tachistische bis zu abstrahierten landschaftlich anmutenden
Farbarchitekturen, die aber niemals eine bestimmte Gegend nachvollziehen,
sondern malerische Realitäten. In den achtziger Jahren bereichern sich
die Farben in breiten strukturierten Pinselstrichen, Fotos von Felsen und
Sandschichten in Italien sind als Anregungen im Katalog abgebildet und
doch bleibt es obsessive Malerei, Spur eines Psychogramms. Vom gestisch
minimalistischen Ansatz mit wenigen nervösen Linien und Frabspritzern bis
zu Farbfeldern und auf die Leinwand "geworfene" Farbe hat Prachensky sich
an die theoretischen Grundlagen seines Freundes Clement Greenberg
gehalten, der die Phase des abstrakten Expressionismus und die Folgen bis
in den Minimalismus und die Farbfeldmalerei als prominentester Kritiker
verfolgt hat. Damit ist er neben Hollegha, Rainer und Mikl immer etwas
internationaler geprägt geblieben, was auch seine längeren
Auslandsaufenthalte mitbewirkt haben mögen.
Selbst in den
letzten Jahren hat Prachensky seine Varianten malerischer Abstraktion
wei-
tergetrieben und es gibt immer noch einiges für junge
Malerinnen und Maler in dieser Fülle an Werken einer an sich gut
getroffenen Auswahl, das vorbildlich wirken könnte.
Erschienen am: 03.05.2002 |
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