VN Sa, 30.8.2003

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Kultur 

Ein Spiegelsalon voll Poesie

Christian Megert und Klaus Staudt in der Galerie am Lindenplatz in Vaduz

Vaduz (VN-ag) Mit Christian Megert und Klaus Staudt zeigt die Galerie am Lindenplatz in Vaduz zwei Künstler, die Gedankengut der Zero-Bewegung bzw. der konstruktiven Kunst in ihrem Schaffen weiterentwickelt haben. Zu sehen sind Spiegelobjekte sowie auf Strukturelementen basierende Objekte.

Glas und Spiegel sind bei Christian Megert Medium und Thema in einem. Gibt ein Spiegel die frontale Ansicht wieder, so öffnet Megert (Jahrgang 1936), dessen Name unmittelbar mit der Zero-Bewegung um Mack, Piene und Uecker verknüpft ist, in seinen Spiegelobjekten den Raum auf vielfache Weise.

Aufgefächert und zersplittert, gegeneinander gedreht oder gekippt reflektieren seine Objekte mit mehreren Spiegeln das Konzept eines Raums, den der Künstler in seinem nach wie vor gültigen Manifest "Ein neuer Raum" von 1961 als "einen Raum ohne Anfang und Ende" beschreibt. Als Betrachter ist man in diese häufig farbige Rundumschau sofort eingebunden, und selbst der flüchtige Passant wird im Spiegel zu einem Teil der für Momente eingefangenen Umwelt.

"Real und surreal und konstruktiv und informell und farbig und unfarbig, gegenständlich und ungegenständlich, naiv und intellektuell und gleichzeitig" (Megert) wird der Raum selbst zur Kunst. Die Spiegelobjekte von Megert, deren konzeptionelle frühere Strenge zunehmend ästhetischen Farbspielen weicht, entfalten ihre Wirkung vor allem aber auch mit der Größe, wie ein dominantes, raumgreifendes und -evozierendes Objekt mit Spiegeln in Blau beweist.

Die selbst auferlegte Beschränkung auf nur wenige künstlerische Mittel, der Rapport von modulartigen Elementen, deren Reihung einem festen Rhythmus gehorcht, bestimmen dagegen das Schaffen von Klaus Staudt (geboren 1932).

Visuelle Phänomene

Wie kontinuierlich er sich in seinem Werk mit der Untersuchung visueller Phänomene befasst, zeigt der präsentierte Werkausschnitt, der bei frühen Arbeiten aus den 60 er-Jahren einsetzt und bis in die Gegenwart reicht. Was zunächst unspektakulär, bar jeder persönlichen Handschrift, scheint, entfaltet in der Aufschlüsselung seinen ganz eigenen Reiz.

Einzelne Elemente verschmelzen zu einer fast malerischen Licht-Schatten-Landschaft, die die ansonsten stark von konstruktiven Komponenten bestimmte Gestaltung überzeichnet, und die kalkulierte Rationalität der früheren Arbeiten weicht in den letzten Jahren einer für das Werk und dessen Rezeption neuen, poetischen Dimension.

Die Ausstellung mit den (Spiegel-) Objekten von Christian Megert und Klaus Staudt ist in der Galerie am Lindenplatz in Vaduz bis zum 4. Oktober zu sehen, geöffnet Dienstag bis Freitag, 10 bis 18, Samstag, 10 bis 16 Uhr.

Die kalkulierte Rationalität Megerts früherer Arbeiten ist einer neuen, poetischen Dimension gewichen. (Foto: Galerie am Lindenplatz)




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