Vaduz (VN-ag) Mit Christian Megert und Klaus Staudt zeigt die
Galerie am Lindenplatz in Vaduz zwei Künstler, die Gedankengut der
Zero-Bewegung bzw. der konstruktiven Kunst in ihrem Schaffen
weiterentwickelt haben. Zu sehen sind Spiegelobjekte sowie auf
Strukturelementen basierende Objekte.
Glas und Spiegel sind bei Christian Megert Medium und Thema in
einem. Gibt ein Spiegel die frontale Ansicht wieder, so öffnet
Megert (Jahrgang 1936), dessen Name unmittelbar mit der
Zero-Bewegung um Mack, Piene und Uecker verknüpft ist, in seinen
Spiegelobjekten den Raum auf vielfache Weise.
Aufgefächert und zersplittert, gegeneinander gedreht oder gekippt
reflektieren seine Objekte mit mehreren Spiegeln das Konzept eines
Raums, den der Künstler in seinem nach wie vor gültigen Manifest
"Ein neuer Raum" von 1961 als "einen Raum ohne Anfang und Ende"
beschreibt. Als Betrachter ist man in diese häufig farbige
Rundumschau sofort eingebunden, und selbst der flüchtige Passant
wird im Spiegel zu einem Teil der für Momente eingefangenen Umwelt.
"Real und surreal und konstruktiv und informell und farbig und
unfarbig, gegenständlich und ungegenständlich, naiv und
intellektuell und gleichzeitig" (Megert) wird der Raum selbst zur
Kunst. Die Spiegelobjekte von Megert, deren konzeptionelle frühere
Strenge zunehmend ästhetischen Farbspielen weicht, entfalten ihre
Wirkung vor allem aber auch mit der Größe, wie ein dominantes,
raumgreifendes und -evozierendes Objekt mit Spiegeln in Blau
beweist.
Die selbst auferlegte Beschränkung auf nur wenige künstlerische
Mittel, der Rapport von modulartigen Elementen, deren Reihung einem
festen Rhythmus gehorcht, bestimmen dagegen das Schaffen von Klaus
Staudt (geboren 1932).
Visuelle Phänomene
Wie kontinuierlich er sich in seinem Werk mit der Untersuchung
visueller Phänomene befasst, zeigt der präsentierte Werkausschnitt,
der bei frühen Arbeiten aus den 60 er-Jahren einsetzt und bis in die
Gegenwart reicht. Was zunächst unspektakulär, bar jeder persönlichen
Handschrift, scheint, entfaltet in der Aufschlüsselung seinen ganz
eigenen Reiz.
Einzelne Elemente verschmelzen zu einer fast malerischen
Licht-Schatten-Landschaft, die die ansonsten stark von konstruktiven
Komponenten bestimmte Gestaltung überzeichnet, und die kalkulierte
Rationalität der früheren Arbeiten weicht in den letzten Jahren
einer für das Werk und dessen Rezeption neuen, poetischen Dimension.