| Salzburger Nachrichten am 18. Juni 2005 - Bereich: kultur
Daheim mit Max Weiler Private Kunstsammler in
Österreich: Heinz Ploner in Wien-Hietzing
HUBERTUS SEIDLWIEN (SN). Dass man sich nicht unbedingt aus Gründen
hoher Erkenntnis mit Kunst beschäftigen muss, zeigt die
Entwicklunsgeschichte einer Wiener Privatsammlung, die seit einiger Zeit
der Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Entstehung der "Sammlung Ploner" hat profane Ursachen: Als der im
oberösterreichischen Gmunden - wie der Maler Hubert Scheibl - geborene
Controller Heinz Ploner vor zehn Jahren seine Wiener Wohnung renovieren
ließ, riet ihm eine seiner Schwestern, eine Innenarchitektin, seine bis
dahin weißen Wände doch mit Bildern auszufüllen. Ploner befolgte den Rat und machte sich kundig. Als er dann in einem
Ausstellungskatalog ein Bild sah, das ihm besonders gefiel, war das der
"definitive Impuls", berichtet Ploner im Gespräch mit den SN, sich mit
moderner bildender Kunst zu befassen. "Ich hatte mit einem Schlag bemerkt,
dass mir bis zu diesem Zeitpunkt der Zugang zu Kunst komplett fehlte und
ich das jetzt aufholen wollte." Obwohl es an "Zugängen" nicht gemangelt
hat, ist doch Ploners andere Schwester, Yvonne, die Witwe des bekannten
Tiroler Malers Max Weiler. Ploner, der kurz zuvor seine Anteile an einer großen Elektronikfirma
verkauft hatte, hörte auf die vermeintliche "innere Stimme" und besuchte
fortan Ausstellungen im In- und Ausland, informierte sich in Kunstbüchern
- und kaufte schließlich sein erstes Bild: ein Gemälde von Josef Mikl. Seither wuchs seine Leidenschaft, und das Kaufen von Bildern ließ ihn
nicht mehr los: "Je mehr ich über verschiedene österreichische Maler in
Erfahrung brachte, desto mehr Bilder wollte ich auch besitzen", schildert
Ploner. Er legte den Schwerpunkt der Sammlung auf "Künstler, die meiner
Generation angehören, deren Entwicklung ich mitverfolgen kann. Aber ich
suche auch Bezugs- und Verknüpfungspunkte zu internationalen Künstlern wie
etwa Eugene Leroy". Mittlerweile sind es über 300 Werke, die in einem Depot lagern, wovon
ein Teil auch der Öffentlichkeit zugänglich ist. Zu sehen sind die
ausgestellten Stücke in einer mehrgeschossigen Jugendstilvilla im
Familienbesitz im Wiener Nobelbezirk Hietzing. Dort eröffnete der Sammler kürzlich die neue Ausstellung "Begegnungen:
Michaux, Weiler und Scheibl", die sich mit drei Künstlern beschäftigt, als
deren Bindeglied Max Weiler fungiert: 1960 stellte Weiler mit dem
belgischen Künstler Henri Michaux gleichzeitig auf der Biennale in Venedig
aus; als Professor an der Wiener Akademie der bildenden Künste in Wien war
Weiler der Lehrer von Hubert Scheibl. Die Ausstellung zeigt "reine", großformatige Zeichnungen und grafisch
artikulierte Malerei, denn Ploner ist es wichtig, dass "das Verhältnis der
Arbeiten auf Papier und auf Leinwand ausgewogen ist. Den Stellenwert
dieser künstlerischen Ausdrucksweisen erachte ich als gleich." Bis 16.
September 2005 in der Sammlung Heinz Ploner, Elsslergasse 11, 1130 Wien;
geöffnet nur nach telefonischer Voranmeldung unter 0699/11789013. |