Salzburger Nachrichten am 15. Oktober 2005 - Bereich: Kultur
Italiens Künstler streiken wegen Berlusconi

Rom (SN, APA). Italiens Kulturszene stand am Freitag wegen eines Künstlerstreiks still. Theater und Kinos blieben gesperrt, die Aufführung des "Barbiere di Siviglia" an der Mailänder Scala wurde abgesagt. Regisseur Roberto Benigni konnte nicht seinen jüngsten Film "Der Tiger und der Schnee" vorstellen. In mehreren italienischen Städten demonstrierten Künstler gegen die von der Regierung Berlusconi geplanten Einsparungen.

Das Mitte-rechts-Kabinett plant 2006, Kultursubventionen um 198 Mill. Euro bzw. 40 Prozent zu reduzieren. "Hier steht das Recht der Italiener auf Kultur auf dem Spiel", hieß es in einem Schreiben der italienischen Schauspielergewerkschaft. Im Theater "La Fenice" in Venedig kam es am Donnerstagabend vor einem Konzert zu einer Schweigeminute. "Ein Land, das seine Kultur ermordet, löscht seine Identität und verliert seine Seele", steht auf einer Großleinwand im Venediger Theater. Die Eintrittskarte für die Venediger Kunstbiennale wurde aus Protest von 15 auf fünf Euro reduziert.

Regisseur Franco Zeffirelli, Ex-Senator der Berlusconi-Partei Forza Italia, kritisierte den Streik: "Das System der Subventionen für Theater und Kino, die die Regierung kürzen will, hat immer schlecht funktioniert, weil sie Vetternwirtschaft und Korruption genährt hat. Finanziert werden zu oft Regisseure, die kein öffentliches Geld verdienen. Die Regierung hat Geldprobleme. Das Schul-, das Gesundheitswesen und die Pensionen haben Priorität."