text breit  text schmal  
drucken 

derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
31. August 2006
05:46 MESZ
24,99 € 
Die Ernährer der Blase
Bildband "Collecting Contemporary" bei Taschen

Damien Hirst: "Die Kunst dreht sich um Leben, der Kunstmarkt dreht sich um Geld." Klingt lapidar angesichts der 8,3 Millionen Dollar, die für sein The Physical Impossibility of Death in the Mind of Someone Living, einen im Aquarium in Formaldehyd konservierten Hai, bezahlt wurden. Eine angemessene Summe? Die Antwort kennt nur der Markt, das Spiel zwischen Angebot und Nachfrage, angereichert durch pessimistische Prognosen, wonach die Blase doch irgendwann wieder platzen müsste. Bislang widerlegen Auktionsergebnisse alle Befürchtungen bravourös, keine Versteigerung ohne Rekordergebnisse.

Jetzt haben sich Sammler und andere Protagonisten des Kunstmarktes in die Karten sehen lassen. Der Taschen Verlag hat Blicke hinter die Kulissen des Zeitgenossen-Marktes in einem kleinen Kompendium zusammengefasst: Collecting Contemporary. Hier finden sich authentische Erfahrungsberichte, die jene Skeptiker überzeugen werden, die eingangs erwähntes Hirst-Salär für völlig überzogen halten. Weil, wie Autor Adam Lindemann akklamiert, sich die Meinung auf dem Kunstmarkt unablässig ändert, "ein Genie von heute morgen schon eine Peinlichkeit sein kann" und man stets nur kaufen soll, "weil es gefällt". Ein einfaches Prinzip, das dennoch ein entsprechendes Budget erfordert. Selbst wenn man als Jungsammler über ein solches nicht verfügt, ist diese Publikation lesenswert - ausgenommen seien laut Lindemann allerdings jene, die "nur ein Gemälde suchen, das farblich zu ihrer Tapete passt". (kron / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.8.2006)


© 2006 derStandard.at - Alle Rechte vorbehalten.
Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.